getrübt, daß von der Abteilung Kirchner, die von Norden her angesetzt war, immer noch jede Nachricht fehlte.
Auf dem etwa 2000 m hohen Plateau war es während der Nacht außerordentlich kalt. Aus Steinplatten schichteten wir uns notdürftige Schutzwände gegen den Nordwind auf, der uns bis auf die Knochen durchpustete. Meine Schulter schmerzte zum Erbarmen.
Die Verpflegung war karg. Wenn wir auch genügend Beutevieh hatten, so war doch die unerläßliche Zukost wie Kaffee, Salz und Mehl sehr knapp geworden. In dieser Lage halfen uns die sogenannten „Hottentottenbeefs", deren Zubereitung wir von unseren Gegnern gelernt hatten: man bedeckt handbreite Fleischstreifen von mäßiger Dicke mit brennend heißer Asche und staubt sie nach ein paar Minuten ab. So wird ein durchaus genießbares und saftiges Bratenstück ohne Gerätschaften und Zutaten hergestellt.
Auch am nächsten Tage kam keine Nachricht von Kirchner, die von mir auSgesandten Verbindungspatrouillen kamen ohne Ergebnis zurück.
Ich benutzte die Zeit des Wartens zu einem Besuch bei der Abteilung Koppy. Dazu mußte ich zu Fuß die Narudasschlucht durchqueren. Sie macht ihrem Namen „Narudas" (Ort zum Hinabrutschen) alle Ehre, wie ich am eigenen Leibe verspüren mußte. An den Felshängen war überall üppiger Graswuchs mit zahlreichen Wasserpfannen auf der Talsohle. Für afrikanische Verhältnisse war dieses Tal ein idealer Zufluchtsort für Mensch und Vieh.
Die Abteilung Koppy traf ich in gehobener Stimmung über den Erfolg an und konnte ihr meinen Dank sagen für ihre glänzende Leistung. Hauptmann von Koppy schilderte mir dann an Ort und Stelle den Verlauf des Gefechts.
Am Morgen des n. März war er mit Leutnant von Gersdorff und einem alten Schutztruppler, Unteroffizier Schütze, seiner anmarschierenden Abteilung um etwa einen Kilometer zur Erkundung vorausgeritten. Da sahen sie plötzlich große Staubwolken. „Das muß die Abteilung Kirchner sein", meinte Leutnant von Gersdorff. „Die Sache klappt wie im Manöver."
Koppy beobachtete durch sein Fernglas und wurde mißtrauisch. Am Ende konnten eS doch Hottentotten sein. Gersdorff reitet im Galopp vor, um besser sehen zu können. In demselben Augenblick
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