löst sich auch von der anmarschierenden Kolonne ein einzelner Reiter ab und sprengt ebenfalls zur Erkundung vor. Er trägt einen Tropenhut, blauen Rock mit weißer Armbinde und reitet einen Falben. „DaS ist Morenga", ruft GerSdorff plötzlich und sprengt mit der Meldung vorn Anmarsch deS Feindes zur Truppe zurück. In dem Wettrennen um den Eingang zur Schlucht hatte Koppy dann durch die Schnelligkeit seiner Entschlüsse gewonnen.
Nach mühsamem Rückmarsch langte ich abends wieder bei der Abteilung Kamptz an und erhielt bald darauf die erste Meldung von der Abteilung Kirchner. Sie lautete niederschmetternd. Die Abteilung hatte am 10. März an der Wasserstelle Aob am Nordosteingang der KarraSberge ein unglückliches Gefecht gegen Morenga gehabt. Hauptmann Kirchner, ein Leutnant und neun Mann waren gefallen, und 28 Mann wurden verwundet, darunter 15 schwer.
Beim Vormarsch dieser Abteilung in die Karrasberge erhielten sowohl Spitze wie Gros überraschendes Feuer von einer stark besetzten Höhe nördlich der Wasserstelle Aob. Die Infanterie ging sprungweise vor und kam ohne erhebliche Verluste bis auf wenige hundert Meter an die Stellung heran. Da schlug ihnen auf einmal ein lebhaftes und wirkungsvolles Feuer aus beiden Flanken seitwärts der Pad entgegen. Die Abteilung war in einen regelrechten „Hottentottensack" geraten. Trotz des Eingreifens der Geschütze und Maschinengewehre mehrten sich die Verluste rasch in dem konzentrischen Feuer.
Hauptmann Kirchner faßte den Entschluß, der allein Rettung aus dieser Lage verhieß, er befahl den Bajonettangriff. Dieses Wagnis schien auch gelingen zu wollen. Vor dem deutschen Hurra räumte der Gegner seine Stellung in der Front, aber nur, um kaum 100 m dahinter eine zweite, fast noch stärkere Stellung einzunehmen. Bei diesem Sturmangriff fiel Hauptmann Kirchner. Oberleutnant Frhr. v. Grote übernahm das Kommando. Bald stellte sich bei der Artillerie und gegen 6 Uhr abends auch bei der Infanterie Munitionsmangel ein. Morenga dagegen — er war es, der hier kommandierte — umfaßte die Truppe immer weiter, so daß bald das feindliche Feuer nicht nur aus den Flanken, sondern auch von halb rückwärts kam. Schließlich ging der linke feindliche Flügel zum Angriff gegen die weiter rückwärts stehenden Handpferde und Bespannungen
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