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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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vor. Pferdehalter und Fahrer warfen sich dem Feind entgegen und wendeten so die Gefahr völliger Einschließung von der Abteilung ab.

Inzwischen war die Dunkelheit hereingebrochen, und gegen Nachtgefechte hatten die Eingeborenen eine unüberwindliche Abnei­gung. So flaute das Feuer langsam ab. Unter dem Schutze der Dunkelheit entschloß sich der Führer zurückzugehen. Gleichzeitig aber räumte auch Morenga die Stellung, um sich nach einem Nacht­marsch am nächsten Morgen der Abteilung Koppy entgegenzu- werfen. Wie es ihm hier ergangen ist, haben wir bereits gesehen. Die operative Geschicklichkeit Morengas war wieder einmal klar zutage getreten.

Durch das unglückliche Gefecht der Abteilung Kirchner ist auf deutscher Seite nicht der durchschlagende Erfolg erzielt worden, den ich erhofft hatte. Aber immerhin waren die Banden MorengaS zer­sprengt und hatten auf der Flucht durch die Abteilung Lengerke noch weitere Verluste. Zudem hatte Morenga sein gesamtes Vieh ver­loren, und die KarraSberge waren in deutschem Besitz.

Das Hauptquartier war mit unserem Erfolg wenig zufrieden. Es blieb bei seiner Meinung, daß man erst die Witbois hätte völlig niederwerfen müssen, bevor man gegen Morenga losschlug. Ob aber Morenga mit seinen Banden ruhig stillgesessen hätte, bis dem Hauptquartier der Zeitpunkt zum Angriff genehm war, das ist eine andere Frage. Dankbar aber erkenne ich an, daß Generalleutnant von Trotha sich mit der Lage abzufinden gewußt hat und sogar in weitherziger Selbstverleugnung Führer und Truppe seine An­erkennung nicht versagt hat.

Ich beließ die Abteilungen von Koppy und Kirchner in Narudaö und ließ die freigewordenen Truppen mit dem Beutevieh auf Keetmanshoop marschieren, um sie später weiter im Norden verwenden zu können. Auf diesem Marsch wurden sie noch zweimal vergeblich von Hottentottenbanden angegriffen, die den Verlust ihres Viehs nicht verschmerzen konnten.

Auch mit meinem Stab ging ich nach Keetmanshoop zurück. Gerade an meinem Geburtstag, am 21. März, trafen wir dort ein. Der Ort hatte geflaggt. Die Bevölkerung fühlte sich von der bangen Sorge langer Monate befreit.

Leider hatte sich mein Arm durch die Karraöexpedition so ver-

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