wie ein zu Sand erstarrtes, wogendes Meer. Sandhügel reiht sich an Sandhügel und Düne an Düne. Der beinahe unaufhörlich wehende Südwind treibt den Sand von einer Düne zur anderen, die so zu wandern scheinen. Auch die Wagenspuren werden verweht, und die Gefahr des Verirrens in dieser trostlosen Einöde ist sehr groß.
Durch dieses Sandmeer mußte der Nachschub für die Südtruppen auf Ochsenwagen herangeschafft werden. Auf der izo km langen Strecke gab es nur einen Brunnen, die Wasserstelle Ukama mit salzigem, brackigem Wasser. Jede Nacht wurden von hier Leuchtkugeln abgeschossen, um Verirrten den Weg zu weisen. Ist es da zu verwundern, daß wir in der Umgebung von Ukama eine große Zahl von Ochsenleichen sahen und — rochen. Etwa 500 dieser armen Kreaturen haben wir gezählt, die vor Durst und Erschöpfung liegen geblieben waren. Wo wir auf dem Weitermarsch Ochsen trafen, die vor Durst brüllend und schon halb verendet an der Pad lagen, haben wir ihnen den Gnadenschuß gegeben. Welche Unsummen kostete dem Reich dieser Marterweg für Mensch und Tier!
Am 8. April abends, also nach siebentägigem Marsch, trafen wir in Lüderitzbucht ein. Mit Wonne atmeten wir die kühle Luft des Meeres in unsere Lungen, endlich befreit von dem Druck der Gluthitze.
Am nächsten Morgen hielt mein treuer Kriegskamerad, der Pfarrer Schmidt, einen Feldgottesdienst für die Etappentruppen ab. Was für einen abgerissenen Eindruck ich gemacht haben muß, geht daraus hervor, daß mir der Etappenkommandant nachher sagte: „Wie der Herr Oberst aussahen, schon das hat meinen Leuten einen Begriff vom Feldleben gegeben."
Ich hatte einige Tage auf meinen Dampfer zu warten und fand so Muße, mich in dem Ort umzusehen. Lüderitzbucht wurde von unseren Schiffskapitänen als der beste Hafen an der ganzen Westküste bezeichnet. Dicht davor liegt die felsige Haifischinsel, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Hier war in gesunder Luft das Truppenlazarett eingerichtet, in dem ich einige meiner Leute besuchen konnte. Auch das Gefangenenlager befand sich auf der kleinen Insel, wo ich die Frau des Bethanierkapitäns Cornelius
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