fand die Beratung im Plenum statt, zu der ich wieder als Kommissar deö Bundesrats delegiert war. Von Anfang an herrschte eine erregte Stimmung im Hause, die sich in zahlreichen Zwischenrufen Luft machte. Diese Zwischenrufe sind wohl schuld daran, daß mir mein Temperament einen Streich spielte, als mir das Wort erteilt wurde.
Zu Beginn der Sitzung erklärte der Abgeordnete Erzberger als Berichterstatter, daß die Budgetkommission in ihrer Mehrheit gegen die Verlängerung der Bahn sei. Ein grundsätzliches Festhalten des Südens der Kolonie sei nicht zu empfehlen, vielmehr erscheine eine Konzentration unserer Kräfte auf den Norden ratsam.
Nachdem der Vertreter der Kolonialabteilung die Aufgabe des Südens als undurchführbar bezeichnet hatte, erbat ich mir das Wort. Kaum hatte ich erklärt, daß ich in den nächsten Tagen wieder nach Südwest hinausgehen würde, kam der erste, gar nicht wohlgemeinte Zwischenruf: „Glückliche Reise." Die Glocke des Präsidenten schaffte wieder Ruhe. Ich führte dann aus, daß die Eingeborenen eine auffällig geringe Anzahl von Gewehren abgegeben hätten. Wenn die Truppen zu früh zurückgezogen würden, bestände die Gefahr, daß der Aufstand von neuem beginne, zumal die äthiopische Bewegung in ganz Südafrika den Fremdenhaß der Eingeborenen zu hellen Flammen geschirrt hätte. Den Süden könnten wir auch deswegen nicht aufgeben, weil sonst die Existenz zahlreicher Farmer vernichtet würde. Auch dem Ausland gegenüber würde unser Prestige schwer leiden, wenn wir unS von einer Aufgabe zurückziehen wollten, nachdem sie unter schweren Opfern an Gut und Blut schon zu sieben Achtel gelöst sei.
Unter lebhaftem Widerspruch sagte ich dann: „Solange ich die Ehre habe, das Kommando draußen zu führen, wird der Süden nicht aufgegeben, es sei denn, daß Seine Majestät der Kaiser es befiehlt, der allein darüber zu bestimmen hat und sonst niemand."
Unter dauernder Unruhe und immer wieder von Zwischenrufen unterbrochen, behandelte ich die Verpflegungslage und machte auf den gewaltigen Preisunterschied aufmerksam, zwischen dem deutschen Nachschub und dem englischen aus der Kapkolonie. So kostete ein Zentner Hafer aus Deutschland in Keetmanshoop 40 Mark, ein Zentner aus der Kapkolonie aber an der Südgrenze
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