schon 70 Mark. Diese Differenz, die bei Genußmitteln noch größer war, konnte durch die Verlängerung der Bahn gespart werden, während ungeheure Summen heute aus deutschen Reichskassen in die Kapkolonie flössen. Zudem mache der Krankenstand in der Schutztruppe eine Verbesserung der Verpflegung dringend notwendig. Die Soldaten müßten auch einmal etwas Rum oder Rotwein zur Auffrischung bekommen (Unruhe und Zwischenrufe). In starker Erregung ließ ich mich zu der Frage hinreißen: „Soll ich Ihnen erst ein paar Hungerleichen auf den Tisch des Hauses legen, ehe die Bahn bewilligt wird?" (Großer Tumult.)
Ich erklärte dann, daß ich mit der festen Absicht hinausginge, dem Reich die enormen Kosten verringern zu helfen, und daß ich mit der Heimsendung der Truppen beginnen würde, sobald die Kriegö- lage das gestatte. Aber gerade der Bahnbau würde rasch Truppen freimachen, weil dann nicht mehr jeder einzelne Ochsenwagen militärische Bedeckung gegen Raubübersälle brauche. Ich schloß mit den Worten:
„Nun, meine Herren, was soll ich den Truppen sagen, wenn ich hinauskomme? Soll ich ihnen sagen: Die Eisenbahn, die euch der Reichstag als Weihnachtsgeschenk gegeben hat, die läßt er jetzt im wahren Sinn des Wortes bei Kubub im Dreck stecken? Soll ich den Leuten sagen, daß sie im Stich gelassen werden? Nein, meine Herren, geben Sie mir die Gewißheit mit, daß die Bahn gebaut wird."
In der Debatte ging ein Donnerwetter auf den Oberst nieder, der gewagt hatte, in solchen Tönen zu dem hohen Hause zu sprechen. Ledebour verglich mich mit Buffalo Bill und Bsulanger. Ich sei aber viel schlimmer als beide. Selbst Boulanger habe nicht gewagt, das französische Parlament in dieser Weise zu brüskieren.
Nach dem Trommelfeuer der Reden wurde zur Abstimmung geschritten. Ergebnis: Ablehnung des Bahnbauö sowie des Kolonial- amts. Darauf vertagte sich das hohe Haus.
Am nächsten Tage wurde mir in der Presse tüchtig der Kopf gewaschen. Der Sündenbock für die Ablehnung des Bahnbaus war der Oberst von Deimling, der mit seiner „brüsken Rede alles verbockt hatte". Gewiß, meine Rede war nicht parlamentarisch, das habe ich damals erkannt und will es heute nicht beschönigen. Auch staatsrechtlich habe ich mich verhauen, denn die Mittel zur Fort-
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