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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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setzung des Feldzuges mußten vom Reichstag bewilligt werden, und damit stand auch dem Kaiser nicht allein die Entscheidung über die Truppenzahl zu. Ich habe mich eben als Soldat durch die For­derung, den Süden der Kolonie aufzugeben, in Harnisch bringen lassen und mir darüber auf dem fremden Boden des Parlaments eine Schlappe geholt.

Damals brachte der Kladderadatsch ein Spottgedicht, dessen erster Vers lautet:

Der von Deimling!

Ich bin der Herr von Deimling Und Oberst noch zur Zeit.

Ich bin kein Haferschleimling,

Ich bin voll Mark und Schneid.

Ich fuchtle mit dem Säbel Am BundesrateStisch Und hack' aus Spähn und Bebet > Mir ein Ragoutgemisch.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Auch Maximilian Harden griff in derZukunft" zu seiner glänzenden Feder. Er enthüllte seinen Lesern, ich hätte am Waterberg auf deutsche Soldaten schießen lassen und in offenem Zwist mit dem General von Trotha gelebt, alles Klatschgeschichten, denen Harden aufgesessen war. Als ich ihn daraufhin in seiner Villa im Grunewald aufsuchte und ihn über den Sachverhalt aufklärte, konnte ich fest­stellen, daß dieser viel umstrittene Mann im Grunde doch ein vor­nehmer Charakter war. Er hat die Selbstüberwindung besessen, mir in der nächsten Nummer derZukunft" volle Genugtuung zu geben.

Nach der Frühjahrsparade am gi. Mai war ich in das Berliner Schloß befohlen, um mich vor meiner Ausreise beim Kaiser abzu­melden. Außer mir waren noch etwa zo höhere Offiziere versammelt. Wir wurden im Schloßhof aufgestellt, wo wir den von der Parade zurückkehrenden Monarchen erwarten sollten. Es fiel mir gleich auf, daß die Herren, obwohl ich verschiedene gut kannte, sich recht reserviert gegen mich benahmen oder mich gar mehr oder weniger merkbar schnitten. Ich konnte mir auch denken, warum. Es war nämlich das Gerücht verbreitet, daß der Kaiser mir meine Reichs-

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