Scheitern des neuen Bahnprojekts aufzubürden. Und doch ist er nun der Mann deö allgemeinen Vertrauens, auch derer, die sich durch sein Auftreten am meisten geschädigt glaubten, die überhaupt sehr kritisch gestimmt sind gegen alles, waö Regierung und Militär heißt, nämlich der Farmer.
Wie hier seine Persönlichkeit die Kritik entwaffnet, so wird überhaupt jeder das Gefühl haben, daß Oberst von Deimling einer Sache, die er vertritt, durch das Einsetzen seiner ganzen Person eine über die formelle Begründung Hinausreichende Bedeutung gibt. Das hat er auch hier in einer Sache getan, in der ein offenes Wort vonnöten war. In einer temperamentvollen Rede sprach er rücksichtslos und derb aus, daß die Ehre der Truppe gefährdet sei durch in die Heimat gedrungene Gerüchte über Raufhändel, Disziplinlosigkeit und Unzucht, und daß der „Suff", dieses Erblaßter Südwestafrikas, unsere Soldaten innerlich und äußerlich zugrunde zu richten drohe. Dann appellierte er an das Kameradschaftsgefühl, damit jeder, der felddienstfähig sei, sich auch melde und denen, die des Tages Last und Hitze an der Front getragen hätten, Ablösung verschaffe.
Wo er hinkommt, verschwindet von selbst die Bequemlichkeit, in die man sich auch auf dem Kriegspfad allmählich eingelebt hat. Er hat den Offizieren ihre weißen Burschen, Militärbeamten ihre zweiten Reitpferde weggenommen und den Verbrauch von Soldaten im Büro- und Garnisondienst eingeschränkt. Andererseits hat er dem gefährlichen Experiment, kriegsgefangene Witboiö als Ko- lonnenführer zu verwenden und ihnen so die beste Gelegenheit zur Spionage zu geben, seine Zustimmung versagt. Wenn er es noch dazu fertigbringt, Soldaten in größerer Zahl an die Heimat abzugeben und dennoch Fortschritte in der Kriegsführung zu erzielen, so wird man seiner Tatkraft die Bewunderung nicht versagen können.
Voll Vertrauen sah man ihn hier kommen, als er sich jeden Empfang verbat, Automobil und Wagen nach Hause sandte und zu Fuß vom Bahnhof in seine Wohnung ging. Das Vertrauen wuchs, als er während anstrengender militärischer Vorbereitungen doch Zeit fand, Zivilisten ihr Recht zu verschaffen, denen er für ihre Verdienste im Kriege die Ansiedlung versprochen hatte, ohne daß sie bisher etwas erreichen konnten. Und vertrauensvoll sah man ihn
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