nun nach dem Süden gehen, als er an einem kalten Wintermorgen aus einer Dräsine nach Swakopmund fuhr, obwohl ihm der Wagen des Gouverneurs zur Verfügung gestellt war. Nimmt man dazu, daß Deimling als ein Mann des mäßigsten Lebensgenusses dem „Suff" zu Leibe geht, wo er kann, so muß man sich freuen, daß dieser Mann trotz mannigfacher Enttäuschungen auf einen nicht viel Lorbeer verheißenden Posten zurückgekehrt ist."
Mitte Juli fuhr ich mit dem Küstendampfer von Swakopmund nach Lüderitzbucht und von dort mit der neuen Eisenbahn weiter, die schon bis halbwegs Kubub fertiggestellt war. An der Endstation standen Pferde bereit zum Ritt nach Keetmanshoop, darunter auch mein alter „Naseweis", der mir während meines ersten Aufenthalts in Südwest so treu gedient hatte. Durch die überstandenen Strapazen war er aber nur noch als Packpserd zu gebrauchen, aber bald schaffte er auch diese Arbeit nicht mehr. Der Stabsveterinär wollte ihn erschießen lassen. Ich konnte aber mit einem Farmer eine Vereinbarung treffen, die dem alten Tier das Gnadenbrot sicherte.
Mit ganz anderer Zuversicht ritt ich jetzt den Baiweg hinauf, als ich ihn vor fünfviertel Jahren mit meinem schmerzenden Arm hinuntergeritten war. Dem Kriegsende waren wir jetzt um ein gutes Stück nähergekommen. Unsere Hauptgegner, der alte Hendrik Witboi, Cornelius und Morenga waren erledigt, nur kleinere Banden unter Morris, Fielding und Simon Copper machten noch Orlog im Südbezirk. Vor einigen Wochen hatte noch ein schweres Gefecht südöstlich der Großen Karrasberge stattgefunden. Am 24. Mai war dann Leutnant Fürbringer, ein sehr verdienstvoller Signaloffizier, mit seiner Begleitung von zwölf Reitern umzingelt und niedergemacht worden. Am z. Juni verloren wir in einem siegreichen Gefecht gegen 200 Bondelö bei Sperlingspütz zwei Offiziere und acht Mann als Tote und sieben Verwundete. Vierzehn Tage später überfielen die Hottentotten die 8. Batterie bei Gabis, südlich der Großen Karrasberge, und erbeuteten fast die gesamte Bespannung. Kurzum, der Kleinkrieg war noch in vollem Gange.
Am 2Z. Juni, nach sechs scharfen Marschtagen, tauchte der Kirchturm von Keetmanshoop aus der Feme auf. Von den Behörden, aber auch von den Eingeborenen wurde ich sehr freundlich
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