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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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begrüßt. Dann ließ ich mir von Oberst Dame das Kommando über­geben, das er acht Monate lang mit großer Umsicht geführt hatte. Am nächsten Tage begab er sich über Windhuk in die Heimat.

Ich übernahm von ihm einen Stab von tüchtigen, bewährten Offizieren und Beamten, die mich in der Folgezeit vortrefflich unterstützt haben. Es gab viel und schwere Arbeit. Galt eS doch, nicht nur die Feldoperationen zu leiten, sondern auch die Schutz­truppe zu verringern, die Rücktransports zu regeln und die künftige Organisation vorzubereiten.

Bei meinem Stäbe fand ich auch den englischen Major Wade vor, der mit Einverständnis des Auswärtigen Amtes dem Kommando für die Dauer des Kriegszustandes zugeteilt worden war. Er zeigte sich als taktvoller Kamerad, den wir alle gern hatten.

Meine erste operative Maßnahme war eine grundlegende Änderung der bisherigen Kriegsführung. Jetzt handelte eS sich nicht mehr um den Kampf gegen stärkere feindliche Kräfte, sondern um einen von den Eingeborenen mit erbitterter Zähigkeit geführten Kleinkrieg, dem man seine Basis entziehen mußte. Die Hauptquelle des Widerstandes war das Beutevieh, das den Banden nicht nur zum Lebensunterhalt diente, sondern das sie jenseits der Grenze durch Helfershelfer gegen Waffen, Munition und ihre sonstigen Bedürfnisse eintauschen konnten. Um diese Quelle zu verstopfen, ließ ich alles entbehrliche Vieh nach Norden an militärisch gesicherte Punkte abtreiben. Gleichzeitig stellte ich an den Hauptpunkten des Südbezirks stets marschbereite Verfolgungskolonnen auf, die unter­einander durch Signalstationen in Verbindung standen und sofort aufsaßen, wenn sich verdächtige Spuren zeigten, und sich in der Verfolgung des Gegners ablösen konnten. Daß dieser Weg richtig war, hat sich rasch erwiesen.

Die Ausführung dieser neuen Maßnahme übertrug ich dem Kommandeur des 2 . Feld-Regiments, Oberstleutnant von Estorff, demalten Römer", wie er in der Schutztruppe allgemein hieß. Er war ein erprobterAfrikaner", ein zäher, persönlich anspruchsloser, aber energischer Führer, an dem die Truppe mit vollem Vertrauen hing.

Um mich von dem Erfolg meines Kriegsplanes zu überzeugen, brach ich am 8. August mit meinem Stab zu einem Ritt bis zur

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