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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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Südgrenze der Kolonie auf. Am 2z. langten wir in Ramansdrift am Oranje an. Mit Genugtuung konnte ich feststellen, daß meine Anordnungen tatkräftig durchgeführt wurden. So ist eine feindliche Bande unter Johannes Christian am 6 . August bei Alurisfontein angegriffen und von immer neuen Detachements drei Wochen lang verfolgt worden, bis sie vollkommen auseinandergesprengt war und alle Pferde verloren hatte. Eine andere Gruppe von Auf­ständischen mußte auf englisches Gebiet flüchten.

In dem kleinen Grenznest Ramansdrift hatte sich zu dieser Zeit eine abenteuerliche Gesellschaft zusammengefunden, die irgendwie vom Kriege leben wollte. Der Oranje führt im allgemeinen ziemlich viel Wasser, so daß eine Fähre unseren Proviant für teures deutsches Geld aus der Kapkolonie herüberbringen mußte. Bei niedrigem Wasserstand konnten aber auch Wagen das Flußbett durchqueren, so daß allerhand dunkle Geschäfte möglich wurden.

Auf dem andern Ufer lag das englische Zollhaus, wo eine Wache unter einem Leutnant postiert war. Der englische Offizier machte mir gleich nach meinem Einrreffen einen Besuch, den ich am nächsten Tag erwiderte. Die Gegend ist sehr schön. Das enge, von hohen Felsbergen umgebene Tal macht besonders bei Mondschein einen romantischen Eindruck. Nachts und morgens war es bitter kalt. Man sehnte den Augenblick herbei, wenn die Sonne hoch kam.

Nach vierzehntägigem Aufenthalt in Ramansdrift marschierten wir nach Keetmanshoop zurück, wo ich mit dem nationalliberalen Reichstagsabgeordneten Dr. Semler aus Hamburg zusammen­treffen wollte. Der Abgeordnete bereiste das Schutzgebiet, um nach persönlichem Augenschein im Reichstag berichten zu können. Ich hatte ihn in der Budgetkommission kennen und schätzen gelernt. Wie wenig gesichert damals noch die Verhältnisse waren, beweist der Umstand, daß ich Dr. Semler dauernd durch eine militärische Eskorte begleiten lassen mußte, weil er mehrfach in bedrohliche Lage geriet.

Am z. Oktober kamen wir gleichzeitig in Keetmanshoop an. Der Abgeordnete hatte von Lüderitzbucht aus die Reise zu Pferde gemacht und kannte jetzt die Schwierigkeiten des Baiweges zur Genüge. Der Bahnbau war zwar schon bis Kilometer 122 vorge­trieben, und die seinerzeit von mir angeforderten Kamele waren auf

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