Eintreffen der fehlenden Großleute abzuwarten, mit den endgültigen Verhandlungen zu beginnen. Am 21. Dezember traf der Kapitän Johannes Christian mit einigen Unterkapitänen in Ukamas ein. Am 22. Dezember gestand Christian die Waffenabgabe endlich zu, weigerte sich aber in eine Ansiedlung bei Keetmanshoop zu willigen, die ich gefordert hatte, um die unsicheren Kantonisten von der Südgrenze fortzubekommen. Oberstleutnant von Estorff gab ihm Bedenkzeit bis zum 2z. Dezember, aber auch an diesem Tage blieben die Bondels bei ihrer Weigerung. Von ihrem angestammten Grund und Boden wollten sie sich auf keinen Fall verpflanzen lassen, sondern lieber bis zum letzten Atemzug kämpfen. Ich gab darauf die Weisung, die Verhandlungen an der Platzfrage nicht scheitern zu lassen. Daraufhin unterschrieben die Bondels den Friedensvertrag und gaben alle Gewehre ab, die nach unserer Schätzung in ihren Händen sein mußten. Sie waren also entschlossen, den Vertrag ehrlich zu halten.
Unser Unterhändler, Hauptmann von Hagen, hat den Abend nach Friedensschluß in einem Bericht geschildert:
' „Am Abend hielt Pater Malinowski in der kleinen Missionskirche einen Gottesdienst ab. Da saßen alle die Bondels friedlich in der Kirche, nachdem sie drei Jahre lang Orlog gemacht hatten. Der Pater sprach sehr schön über das gelungene Friedenswerk. Mir persönlich war es ein merkwürdiges Gefühl, mit all diesen Leuten, die drei Jahre lang gegen uns gekämpft und manchen lieben Kameraden niedergeschossen hatten, zusammen in der Kirche zu sitzen."
Am 24. Dezember meldete ich telegrafisch dem Kaiser und dem Geheimrat Dernburg, dem Nachfolger des Erbprinzen von Hohen- lohe in der Leitung der Kolonialabteilung, den Abschluß des Friedens von HeirachabiS.
Diese Nachricht kam der Heimat überraschend. Noch kurz zuvor, am iz. Dezember, war der Reichstag aufgelöst worden, weil er die Mittel zur Fortführung des Krieges nicht bewilligt hatte. Zur Zeit des Friedensschlusses war mir dieser Vorfall noch nicht bekannt, sondern ich hörte erst nachträglich davon.
Der Orlog war zu Ende. Die Überführung der Bondels in die ihnen angewiesenen Reservate in der Gegend von Kalkfontein ging
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