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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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auch der Kreisdirektor Mahl aus Zabern. Kaum hatten wir uns zu Tisch gesetzt und mit der Suppe begonnen, da wurde der Gastgeber dringend ans Telefon gerufen. Nach ein paar Minuten kam er sehr aufgeregt zurück und sagte mir über den Tisch hinüber:Soeben wird mir aus Zabern telefoniert, daß einige zwanzig Zivilisten vom Militär verhaftet und in die Kaserne gebracht worden sind. Wollen Sie nicht telefonisch eingreifen und die Freilassung verfügen?" Ich mußte das ablehnen, denn ich konnte nicht ohne Kenntnis der Vorgänge in die Maßnahmen des verantwortlichen Kommandeurs eingreifen.

Der Kreisdirektor Mahl fragte nun seinen Vorgesetzten Mandel, ob er nach Zabem fahren solle. Der Unterstaatssekretär erwiderte aber, es handle sich um keinen förmlichen Aufruhr, bis er hinkäme, wäre die ganze Sache vorbei, und er habe ja einen tüchtigen Ver­treter, der, soweit notwendig, schon eingreifen werde.Bleiben Sie ruhig hier." Und Herr Mahl blieb!

In aller Frühe des nächsten Tages bekam ich den Bericht aus Zabern. Danach war folgendes passiert:

Als nach Beendigung der Offizierturnstunde in der städtischen Turnhalle sich die Offiziere gestern gegen 7 Uhr abends nach Hause begeben wollten, wurden von Zivilisten hinter ihnen beleidigende Worte wieBettschiffer" hergerufen. Die Offiziere ließen die Schreier durch eine Patrouille festnehmen. Dabei sammelte sich eine größere Volksmenge an, die unter Johlen den Offizieren folgte.

Da Sicherheitsbeamte nicht anwesend waren und die Menge eine recht bedrohliche Haltung annahm, trat die Wache ins Gewehr und rückte auf den Schloßplatz vor der Kaserne. Nach vorangegangenem Trommelwirbel wurde bekanntgegeben, daß die Straße sofort zu räumen sei, sonst würde von der Schußwaffe Gebrauch gemacht werden. Die Menge lief auseinander, bis auf vier Schreier, die vor einem Laden stehenblieben und weiterlärmten. Sie wurden fest­genommen.

Inzwischen sammelten sich in der Hauptstraße wieder Personen, die von der Wache zurückgedrängt wurden. Dabei wurde eine Anzahl von Leuten, die sich weigerten weiterzugehen, festgenommen. Hier­auf rückte die Wache wieder in die Schloßkaserne ein. Im ganzen waren 27 Festgenommene in die Kaserne verbracht worden.

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