Was weiter geschah, darüber lautete der Bericht des Oberst von Reuter wie folgt:
„Die Leute mußten, da in der Schloßkaserne kein anderer Raum frei war, in einem Kellerraum untergebracht werden. Es wurde sofort mit der Feststellung der Personalien und mit der Vernehmung begonnen. Obgleich diese von zwei Offizieren bis um i Uhr nachts fortgesetzt wurde, mußte sie doch am nächsten Morgen erneut aufgenommen werden, da zahlreiche Widersprüche in den Aussagen zu klären waren. Diese Vernehmungen waren deshalb vor Überweisung an das Amtsgerichtsgefängnis ganz unbedingt nötig, da sonst wieder, wie am Mittwoch, die Leute ohne Feststellung der Tatsachen entlassen und die ganze Angelegenheit als ein schlechter Witz angesehen worden wäre. Im Laufe des Vormittags wurden die Leute je nach dem Fortschreiten der Feststellungen entlassen.
Am gleichen Tage mußte der Wachhabende, Leutnant Schad, als erneut ein junger Mensch an der Kaserne höhnte und schrie und, als er festgenommen werden sollte, in ein HauS flüchtete, in dieses eindringen, doch gelang es dem jungen Menschen, durch eine Hintertür zu entkommen. Eine Anzeige bei der Polizei und das Ersuchen, den Schreier ihrerseits festzunehmen, blieben ohne Erfolg.
Nur durch ernstes Zugreifen konnte dem pöbelhaften Benehmen der Demonstranten ein Ende gemacht werden. Wenn sich unter den Festgenommenen auch friedliche Bürger (u. a. ein Landgerichtsrat und ein Staatsanwalt) befunden haben, so haben sie es sich selbst zuzuschreiben; warum begaben sie sich unter die Menge und blieben zwischen ihr stehen und widersetzten sich den Anordnungen des Offiziers.
Nur dadurch, daß das Regiment eingriff und sich selbst vor den Beschimpfungen schützte, ist es gelungen, die Iivilbehörde zu energischem Eingreifen zu veranlassen und endlich die Ruhe herzustellen. Auch nur durch dieses energische Eingreifen ist es verhindert worden, daß es zum Blutvergießen kam.
Hätte die Iivilbehörde rechtzeitig und energisch eingegriffen, so wären die ganzen Unruhen in ihrem Entstehen unterdrückt worden. Sie hat es aber jedesmal darauf ankommen lassen, daß sich die Volksmenge ansammelte und ich die Zivilbehörde aufforderte, Ordnung zu schaffen. Neben dem schwächlichen Verhalten der
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