Regierung trägt die Hauptschuld an den ganzen Unruhen die Schriftleitung des „Zaberner Anzeigers", die die Offiziere und Unteroffiziere des Regiments dauernd in der scheußlichsten Weise beschimpft und so dauernd die Menge in Erregung hält. Stras- anträge sind gegen sie gestellt, bis sie aber zur Aburteilung gelangen, vergehen Wochen. Die Behörden behaupten, machtlos gegen dieses Treiben zu sein.
gez. von Reuter."
Auf meinen telegrafischen Bericht an den Kaiser, der sich in jenen Tagen gerade beim Fürsten zu Fürstenberg in Donaueschingen zur Jagd befand, erhielt ich noch am Abend des gleichen Tages folgende Depesche:
„Ich danke Ihnen für Ihre Meldung von heute früh. Sie sind mir für die Ordnung in Ihrem Korpsbezirk verantwortlich und werden es dabei an der nötigen Energie nicht fehlen lassen.
gez. Wilhelm."
Auch vom Kronprinzen hatte ich einige Tage vorher ein Telegramm erhalten. Es lautete aber nicht, wie dazumal behauptet wurde: „Immer feste druff!", sondern wie folgt:
„Hoffe, daß die Offiziere in jeder Beziehung gegen die Unverschämtheiten des Zaberner Plebs geschützt werden. Es müßte ein Exemplum statuiert werden, um den Herren Eingeborenen die Lust an derartigen Vorfällen zu versalzen. Besten Gruß!
gez. Wilhelm, Kronprinz."
Ein ähnliches Telegramm hat auch Oberst von Reuter vom Kronprinzen erhalten. Der Kaiser war höchst unzufrieden mit dem Hervortreten des Kronprinzen und versetzte ihn von Danzig, wo er die Brigade der Totenkopfhusaren kommandierte, nach Berlin in den Großen Generalstab. „Damit", wie der Kronprinz in seinen Erinnerungen sagt, „mir meine allzu groß gewordene Selbständigkeit beschnitten werden und mein Tun und Lassen besser überwacht werden könne."
Sobald ich Kenntnis davon erhalten hatte, daß der Kreisdirektor Mahl, übrigens ein Elsässer aus der Gegend von Zabern,
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