die Polizei endlich angemessen verstärkt hatte, wies ich am i. Dezember das Garnisonkommando Zabern an, Verhaftungen aus eigener Machtvollkommenheit nur wenn unvermeidlich vorzunehmen. Dieser Befehl deckte sich mit einer in den nächsten Tagen eingegangenen Weisung des Kaisers, darüber zu wachen, daß die militärischen Stellen innerhalb der Gesetzesgrenzen blieben und daß Militär- und Zivilbehörden Hand in Hand arbeiteten. Die letztere Weisung hat auch der Statthalter vom Kaiser erhalten.
Ferner hatte der Kaiser am i. Dezember befohlen, einen General, gewissermaßen als Kommissar, nach Zabern zu senden, der die Vorgänge zu untersuchen und den Kontakt mit den Zivilbehörden herzustellen hatte. Mit dieser Mission beauftragte ich den Generalmajor Kühne, Kommandeur der zo. Feldartilleriebrigade, auf dessen ruhige Sachlichkeit ich mich verlassen konnte.
Am 2. Dezember berichtete dieser General dem Kaiser wie folgt:
„Aus den vielfach auseinandergehenden Mitteilungen, die ich einerseits von dem Oberst von Reuter, andererseits vom Kreisdirektor Mahl erhielt, und aus meinen eigenen Beobachtungen habe ich folgendes Bild über die Vorgänge in Zabem gewonnen:
Der anfangs geringfügige Anlaß hätte vielleicht durch sofortige beruhigende Erklärungen der Behörden unschädlich gemacht werden können. Als dies nicht geschah und besonders durch den Einfluß der Presse die Gereiztheit schlimmere Formen annahm, ist die Zivilbehörde sich der Tragweite der Bewegung nicht ganz bewußt gewesen oder hat ihren Einfluß nicht richtig eingeschätzt, so daß Entscheidendes nicht geschah. Trotz äußerlich korrekter Beziehungen hatte sich ferner zwischen Oberst von Reuter und Kreisdirektor Mahl ein Verhältnis entwickelt, das für die Behandlung der Sache nicht günstig war. Ersterer vermißte die nötige Initiative und Energie bei der Zivilbehörde, letzterer fand die Auffassung der Militärbehörde zu schroff. Auch über die Abgrenzung der Kompetenzen herrschten verschiedene Anschauungen. Ein direktes Einvernehmen zwischen beiden Persönlichkeiten hat dann nicht mehr stattgefunden. Inzwischen hatte sich durch die fortdauernde Tätigkeit der sehr bösartigen Hetzpresse, besonders des „Jaberner Anzeigers", die Stimmung so verschlimmert, daß es zu den Vorfällen vom 26. und 28. November kam.
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