Eurer Majestät ist über diese Vorfälle von dem Kommandierenden Herrn General Bericht unterbreitet worden. Oberst von Reuter ist der Ansicht, daß der durch den Leutnant von Forstner verursachte Iwischenfall nur den Anlaß geboten habe, um eine Hetze gegen seine Person ins Werk zu setzen. Reuter meint, daß er durch notwendiges scharfes Durchgreifen, namentlich im Unteroffizierkorps seines Regiments, und durch besondere Betonung altpreußischen Wesens sich hier mißliebig gemacht habe. Er hält es deshalb für möglich, daß hinter den hetzenden Zeitungen als treibende Elemente vielleicht entlassene Unteroffiziere oder Angehörige unzufriedener politischer Parteien, vielleicht auch mit Geldhilfe, stehen. Daß z. B. der Redakteur des „Jaberner Anzeigers", ein eingewanderter Sachse, einen bedeutenden Einfluß auf die Bevölkerung ausübt, glaube ich selbst bemerkt zu haben. Ob im übrigen die Vermutung des Oberst von Reuter richtig ist, kann ich nicht beurteilen. Notwendig erscheint sie zur Erklärung der Vorgänge nicht. Der Elsäffer, auch in der kerndeutschen Jaberner Gegend demokratisch angehaucht, ist ebenso eingebildet und empfindlich wie spottlustig, und diese Eigenschaften, im Verein mit der Tätigkeit einer Presse, die aus der Erregung materielle Vorteile zieht, machen die Vorgänge begreiflich.
Nach den Ereignissen vom 28. November- hat der Kreisdirektor — unter Übergehung des erkrankten, wenig zuverlässigen Bürgermeisters — eine Reihe zweckmäßiger Anordnungen getroffen. Neben der Jusammenziehung einer größeren Zahl von Gendarmen hat er Aufrufe für Stadt und Land erlassen, die in ziemlich energischer Form auf die Vermeidung von Ausschreitungen hinweisen. Endlich hat er angeordnet, daß jede verhaftete Person sofort dem Bezirksgefängnis zuzuführen und dort bis zu ihrer Vernehmung zu belassen ist. Diese Anordnung entspricht einem besonderen Wunsch des Oberst von Reuter, der sich darüber beklagt hat, daß verhaftete Personen bisher von der Zivilbehörde nach Feststellung ihres Namens wieder entlassen wurden, und der gerade hieraus den Anlaß genommen hat, die am 28. November verhafteten Personen in Gewahrsam zu behalten.
Nachdem ich mehrere Unterredungen mit dem Oberst von Reuter und dem Kreisdirektor Mahl gehabt habe, habe ich die
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