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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
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revoltierenden Offizieren bedroht. Die Offiziere haben eine Revolte gegen das Gesetz begangen, sie haben sich die Polizeigewalt für mehrere Tage angemaßt. In den Instruktionen über den Waffen- gebrauch des Militärs darf stehen was will: unsere Strafprozeß­ordnung muß aber von der Armee einem deutschen Bürger gegen­über geachtet werden.

In einem allerdings", so schloß Or. Haas seine Rede,bin ich anderer Meinung als Fehrenbach. Nicht in der persönlichen Be­urteilung des Generals von Deimling trenne ich mich von ihm. Denn man sagt in Baden überall, daß Deimling nicht nur ein tüchtiger Soldat, nicht nur ein vornehmer und bescheidener, gut bürgerlicher Mensch ist, sondern man rühmt ihm auch nach, daß er ein Vater seiner Soldaten sei. Seine Truppen gehen für ihn durchs Feuer. Das ist das allgemeine Urteil in Baden. Man freut sich über den Mann, man ist stolz darauf, daß er ein Badner ist. Das soll nicht verschwiegen sein. Aber er hat einen Fehler, nämlich den, sich um politische Dinge zu kümmern. Das ist nicht gut beim Militär. Die können sehr gute Soldaten sein, und es ist keine Schande, wenn einer kein guter Politiker ist. Deimling hat zweifellos die Neigung, sich auch im Elsaß auf Gebiete zu begeben, auf die er sich von Rechts wegen nicht begeben sollte."

Als letzter erhielt der Elsäffer Dr. Ricklin das Wort, der Fehren­bach für seine Rede dankte und an der Macht des Reichskanzlers zweifelte, seine Politik in den Reichslanden durchzuführen.

Dann fand die Abstimmung über den Mißtrauensantrag statt. Er wurde mit 29z gegen 54 Stimmen angenommen. Die National­liberalen, das Zentrum, die Freisinnigen und Sozialdemokraten hatten geschlossen dafür gestimmt.

An diesemschwarzen Tag" der Reichsregierung erhielten der Statthalter Graf Wedel und ich die telegrafische Order, uns am nächsten Tag beim Kaiser in Donaueschingen zu melden, l Der Kaiser empfing mich im Schloßpark. Mit ernsten Worten

wiederholte er seine Mahnung, daß Militär- und Iivilbehörden besser zusammenarbeiten müßten und warnte vor jeder Un- gesetzlichkeit. Dann ging er mit dem Statthalter und mir vor dem Schloß auf und ab und ließ sich Vortrag über die Lage halten. Im - Laufe der Besprechung machte ich den Vorschlag, die Garnison für

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