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Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
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Stellung gegangen und suchten die feindliche Artillerie mit gutem Erfolg niederzukämpfen.

Unter dem Schutze unseres Artilleriefeuers arbeitete sich die Infanterie in langen, leider auch heute wieder viel zu dichten Schützenlinien gegen die französische Stellung vor. Es war ein Schlachtenbild von stärkstem Eindruck, ein Kampf, Auge in Auge mit dem Feind, bei dem die Tapferkeit deS einzelnen Mannes und die Geschicklichkeit der Führer ausschlaggebend waren. Noch war die Technik mit Minen, Giftgasen, Flammenwerfem und Tanks nicht die Geißel der Schlachten wie später im Grabenkrieg, wo arme kleine Menschen sich vor der Übermacht des Materials in die zer­rissene Erde wühlen mußten und nur ganz selten einmal als Sol­daten gegen Soldaten zu kämpfen hatten.

Von phantastischer Eindringlichkeit wurde das Bild, wenn ein­zelne Artilleriezüge und Geschütze im Galopp durch das feindliche Feuer vorgingen, dicht hinter der Infanterie, mit Hurra begrüßt, abprotzten und in direktem Schuß die feindliche Stellung in eine Wolke von Rauch und Feuer hüllten. Die beiden Schwesterwaffen wetteiferten, dem Feind auf den Leib zu rücken. Gegen Abend wurde die französische Stellung frontal erstürmt, noch ehe die Umfassung von Osten her wirksam geworden war. Die z. und 4. Kompagnie der 126er nahmen bei Oberaspach eine feindliche Batterie. Bei der Verfolgung deS Feindes fuhr unsere Artillerie zum Teil noch vor der vordersten Jnfanterielinie auf und feuerte bis zum Einbruch der Dunkelheit in die zurückflutenden Massen der Franzosen hinein, die jeden Halt verloren hatten.

Meine Absicht, bei Tagesanbruch am nächsten Morgen die Ver­folgung in südlicher Richtung mit dem ganzen Korps fortzusetzen, wurde durch einen Armeebefehl unterbunden. Nur einzelne Detache- ments wurden zur Verfolgung angesetzt, stießen aber nirgends mehr auf ernsten Widerstand. Es war dem Feinde gelungen, nach Belfort zu entkommen.

Bei uns wollte keine rechte Siegesstimmung aufkommen. Gewiß, wir hatten den Gegner zurückgeworfen, und der Kaiser j schickte auch ein anerkennendes Telegramm. Aber unser Sieg war j nur einordinärer" Sieg, wie Schliessen sich auszudrücken pflegte, - denn wir hatten den Gegner wohl geschlagen, aber das Ziel einer