Inzwischen war Geheimrat Haber, der berühmte Chemiker, beim Generalkommando eingetroffen. Er war als technischer Berater bei dem Giftgasuntemehmen bestimmt, während die militärische Leitung, vor allem der Einbau der Giftflaschen, bei Oberst Peterson vom Ingenieur-Komitee lag. Die Herren brachten auch eine geheimnisvolle Feldwetterstation mit zur Beobachtung der Windrichtung.
Anfang März wurde mit dem Einbau der unheimlichen Stahlflaschen im vordersten Graben begonnen. Wenige Tage später kamen zwei Gasflaschen durch Granattreffer zur Explosion. Die in der Nähe befindlichen Leute erkrankten schwer. Einer starb an Lungenbluten. Bald darauf wiederholte sich dieser Unglücksfall durch feindliche Gewehrschüsse. Drei Leute wurden durch Gasvergiftung getötet und fünfzig erkrankten. Ich habe sie im Lazarett besucht. Sie hatten furchtbar auszustehen. Das Vertrauen der Truppen zu dem grausamen Kampfmittel wurde durch diese Vorkommnisse schwer erschüttert. Man gab den Soldaten primitive Schutzpäckchen, die bei Gasgefahr vor Mund und Nase gebunden werden sollten, die Vorläufer der Gasmasken.
Mitte März war der Einbau der Gasflaschen beendet, und wir warteten nun auf günstigen Wind. Mehrmals prophezeite die Wetterstation die ersehnte Windrichtung. Bei Nacht und Nebel wurden wir alarmiert und stellten unS zum Angriff bereit. Im letzten Moment sprang aber der Wind immer wieder um, und wir mußten unverrichteter Dinge heimziehen.
Am 17. April abends ließ plötzlich eine gewaltige Detonation die Erde weithin erzittern, und gleichzeitig setzte schwerstes Artilleriefeuer ein. Die Engländer hatten auf Höhe 60 beim Regiment 105 fünf Minen gesprengt, deren schwerste einen Krater von Z5 m Durchmesser in den Boden gerissen hatte. Die Besatzung an der Sprengftelle war zum größten Teil vernichtet worden.
Unmittelbar nach der Sprengung stürmte der Gegner vor und setzte sich an den Kraterrändern fest. Unsere Gegenstöße brachen im feindlichen Maschinengewehrfeuer zusammen. Erbitterte Kämpfe entspannen sich, das Artilleriefeuer machte Gräben und Unterstände zu einem wild zerpflügten Trichterfeld. Am 21. April gelang es uns endlich, einen Teil der Höhenstellung wiederzunehmen.
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