Kommandant Raynard durfte seinen Degen behalten und wurde vom Kronprinzen zu Tisch geladen.
Nach Abwehr heftiger Gegenstöße konnten meine Regimenter noch weitere Erfolge erringen. Am z. Juli nahm ein Bataillon des Zaberner Regiments die „Hohe Batterie" von Damloup und nahm loo Franzosen gefangen. Am n. Juli drangen mehrere meiner Regimenter bis zur Tavannes-Schlucht auf dem Lauffäe-Rücken vor und konnten 19 Offiziere und 800 Mann als Gefangene zurückschicken. Im großen gesehen aber blieb es bei Teilerfolgen. Auch planmäßige Artillerievorbereitung unter Verwendung von Gasmunition konnte die Angriffstruppen nicht mehr vorwärtsbringen.
Der menschlichen Leistungsfähigkeit sind nun einmal Grenzen gesetzt, und dem Trommelfeuer können nicht alle Nerven standhalten. Solange irgendwo drüben noch ein Maschinengewehr ratterte und seine Geschoßgarben über das Schlachtfeld streute, blieb der Angriff eben liegen. Die „Hölle von Verdun" tat ihre Wirkung auch bei den besten Soldaten.
Als ich am Tage nach dem Angriff gegen den Laufföe-Rücken zu den Sturmtruppen vorging, begegnete mir die lange Kolonne der Gefangenen in ihren blaugrauen Mänteln. „konr vous Ig, gnsire sst iirüs", rief ich ihnen zu. „laut misnx, taut mienx", antwortete es freudig aus der Kolonne. Also auch drüben hatten sie den Krieg satt.
Angesichts der Mißerfolge und unter dem Druck der französischen Offensive an der Somme, die Anfang Juli einsetzte, befahl General von Falkenhayn „strikte Defensive" vor Verdun. Wir mußten Artillerie und Truppen zur Abwehr des feindlichen Durchbruchsversuchs abgeben. So trat Mitte Juli eine Entspannung in unserem Kampfabschnitt ein.
Anfang Juni wurde mein Adjutant Major Reinicke, der letzte Offizier meines alten Stabes aus Straßburg, mit der Führung eines Artillerie-Regiments in meinem Korps beauftragt. Es wurde mir sehr schwer, mich von diesem Kameraden zu trennen, der mir auch in schwersten Zeiten immer ein ausgezeichneter Gehilfe gewesen war. Bald darauf wurde auch mein Stabschef auf meinen Antrag hin versetzt und erhielt ein Infanterie-Regiment.
Die Stellung eines „Chef des Generalstabeö" bestand schon im
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