Frieden bei jedem Generalkommando und diente zur Entlastung des Kommandierenden Generals von weniger wichtigen Geschäften. Wenn hierin auch eine gewisse Gefahr für die Teilung der Kommandogewalt lag, so wurde dieser Nachteil doch überall vermieden, wo eine energische Persönlichkeit an der Spitze des Korps stand und der Chef sich taktvoll in seinen Grenzen hielt.
Im Stellungskrieg aber verschob sich dieses Verhältnis. Neben dem ordnungsmäßigen Dienstweg über die Truppenführer entstand ein Nebenweg, der von der Obersten Heeresleitung über die Generalstabschefs der Heeresgruppen, der Korps bis zu den Generalstäblern der Divisionen lief. Die wichtigsten Entscheidungen wurden so oft hinter dem Rücken der Truppenführer am Fernsprecher oder bei sogenannten „Chefbesprechungen" gefällt.
Vor Verdun hing mein Stabschef fortwährend an der Telefonstrippe und konferierte mit dem Gruppen- oder Armeechef, ohne daß ich erfuhr, was los war. Und dann kamen auf einmal die einschneidendsten Anweisungen von oben. So war auch ein Gruppen- befehl zum förmlichen Angriff auf Fort Vaux, daS ich im Handstreich nehmen wollte, die Frucht einer Chefbesprechung hinter meinem Rücken gewesen.
Der mit der Kriegödauer sich immer mehr steigernde Einfluß des Generalstabs, der von der Truppe als „Generalstabswirtschaft" bezeichnet und verurteilt wurde, hat unserer Kriegsführung nicht zum Vorteil gereicht. Die Oberste Heeresleitung hätte besser daran getan, mehr auf das Urteil der älteren, erfahrenen Truppenkommandeure zu hören, als auf das der vielfach sehr jungen und ehrgeizigen Generalstäbler, deren Schneidigkeit am Telefon sehr oft im Widerspruch zu der materiellen und psychischen Verfassung der Front stand. Ich muß aber betonen, daß die harte FriedenSschule und die sorgsame Auslese der Menschen hervorragend tüchtige und pflichttreue Generalstabsoffiziere hervorgebracht hat. Bei dem Nachwuchs im Kriege waren angesichts der großen Ausfälle an jüngeren Offizieren die gleichen Anforderungen an Können und Persönlichkeit nicht aufrechtzuerhalten. Aber wenn ich hier kritisiert habe, so soll sich diese Kritik gegen das System, nicht gegen die Personen richten.
Die Entspannung der Lage vor Verdun durch den Befehl von
213