Dokument 
Aus der alten in die neue Zeit : Lebenserinnerungen / von Berthold von Deimling
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen

Falkenhayn, derstrikte Defensive" forderte, währte nicht lange, denn schon nach 14 Tagen wurde der Befehl wieder aufgehoben. Falkenhayn wollte durch erneute Angriffe die Franzosen daran hindern, Kräfte nach der Somme zu verschieben. Auch spukte in seinem Kopf immer noch die unselige Vision, Verdun als ständig blutende Wunde am Körper deS französischen Heeres offenzuhalten.

So fand am i. August eine neue Offensive der Ostgruppe statt, an der auch meine Divisionen beteiligt waren. Ein paar Gräben wurden genommen und ein paar hundert Gefangene gemacht. Im großen aber mißglückte auch dieses Untemehmen. Es kostete viel Blut und löste wütende Gegenangriffe der Franzosen aus, durch die unsere vordere Linie zum Teil wieder in die Ausgangsstellungen zurückgedrängt wurde.

In diesen Tagen habe ich die Besatzung von Fort Vaux besucht, deren Versorgung mit Wasser, Verpflegung und Munition in dem schweren Feuer die größten Schwierigkeiten machte. Der ganze Nachschub mußte durch Träger und Tragtiere erfolgen. Das Heran­schaffen von warmer Verpflegung für die Grabenbesatzung war überhaupt ausgeschlossen.

Aus dem Marsch von Dieppe nach dem Fort konnte ich mich per­sönlich von diesen Schwierigkeiten überzeugen. Von Zeit zu Zeit mußte ich mich platt auf den Boden werfen, wenn ein Feuer­überfall der französischen Artillerie den geschoßdurchwühlten Ab­hang des Vaux-Berges entlangfegte. Ich atmete ordentlich aus, als ich endlich in die schützende Kasematte des Forts eintrat. Drinnen saß der Kommandant mit dem Telesonhörer am Ohr, nahm Meldungen entgegen und gab seine Befehle. In den engen, dunklen Gängen der Kasematten, in stickiger Luft, lagen und saßen die Mannschaften umher mit dem Gewehr im Arm und das Koppel mit Handgranaten behängt, denn es konnte jeden Augenblick ein französischer Angriff erfolgen. Häufig gab es Detonationen, die das Fort in seinen Grundfesten erzittern ließen: es wurde mit Granaten schwersten Kalibers beschossen. Kein gemütlicher Aufenthalt und doch ein Idyll im Vergleich zu den Löchern und Gräben vorwärts des Forts und in der Damloup-Stellung.

Inzwischen hatte sich die militärische Gesamtlage der Mittel­mächte in kritischer Weise verschlechtert. Zu den Schwierigkeiten der

214