trotz sehr knapper Brotportionen pflichttreu und tapfer. Aber die Sehnsucht nach Frau und Kind blickte ihnen allen auS den Augen.
Die ganze Westfront war zur Defensive übergegangen. Wir waren zu Beginn des Jahres 1917 der Entente an Kampfkraft so unterlegen, daß wir an gar keine Offensive denken konnten. Nur über eine letzte, im Erfolg sehr zweifelhafte und in ihren politischen Folgen außerordentlich gefährliche Angriffswaffe verfügten wir: die U-Boote. Sie sollten jetzt, nach dem Scheitern unseres Friedensangebotes, rücksichtslos eingesetzt werden.
Die Oberste Heeresleitung hoffte, mit diesem KriegSmittel England binnen sechs Monaten zum Frieden zwingen zu können. Das war vom Chef des Admiralstabes in einer Denkschrift zahlenmäßig vorgerechnet worden. Auf dem Papier wirkte diese Rechnung mit vielen Unbekannten für den Laien sehr überzeugend. Daß Amerika durch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg in das Lager unserer Feinde gedrängt würde, konnte sich zwar jeder verständige Mensch sagen. Die Heeresleitung hoffte aber,durch den U-Boot-Krieg mit den europäischen Mächten zu einem Frieden zu kommen, bevor Amerika mit wesentlichen Streitkräften in den Kampf eingreifen konnte.
Der schwache Kanzler, der wegen der politischen Folgen ursprünglich gegen diesen Plan war, ließ sich schließlich durch die Argumente von Tirpitz und seinen Freunden und unter dem Druck der von diesen aufgepeitschten öffentlichen Meinung die Einwilligung abzwingen. Am l. Februar 1917 wurde der uneingeschränkte U-Boot-Krieg erklärt.
Die Oberste Heeresleitung hat wohl damals die FriedenSaktion Wilsons gar nicht abwarten wollen. Sie wollte ihre Eroberungsziele nicht preisgeben,solange sie noch an den Sieg glaubte. Die Versuchung für den Feldherrn war sicher groß. Aber da hätte der verantwortliche Leiter der Politik, der Reichskanzler, zum Kaiser gehen und um seinen Abschied bitten müssen, wenn eine hoffnungsvolle Friedens- auösicht durch WilsonS Vermittlung so leichtfertig durchkreuzt werden sollte. BiSmarck hat es ihm vorgemacht, als Moltke nach der Schlacht von Königgrätz nach Wien marschieren wollte. Der alte Kaiser ist damals, wenn auch innerlich widerstrebend, seinem
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