schwangeren Frauen, die Kinder, die mit Trockenmilch großgezogen werden mußten, und die alten Leute. Eine furchtbare Ernte hielt der Tod in der Heimat. Tuberkulose oder Grippe schrieben die Ärzte. „Hunger!" jammerten die Überlebenden.
Das Verderblichste aber war, daß jeder, der Geld hatte, sich „hinten herum" alles verschaffen konnte, was sein Magen begehrte. Der Schleichhandel blühte, und in den Hinterzimmern der Luxusrestaurants gab es geheime Karten, die zu unheimlichen Preisen alles boten. Die unzähligen Lebensmittelverordnungen wurden nur von den Millionen befolgt, die sie aus Armut befolgen mußten. Die Reichen brauchten nicht hungrig vom Tisch aufzustehen.
Zu der physischen und moralischen Verelendung durch den Hunger kamen noch die korrumpierenden Folgen des Gesetzes über den „Vaterländischen Hilfsdienst", das sogenannte Hindenburg- programm. Vier Millionen Frauen wurden in der Kriegsindustrie angestellt. Die Löhne steigerten sich bald zu ungekannter Höhe, ohne doch die Preise je einholen zu können. Die Frontkämpfer mußten zusehen, wie die „Drückeberger" daheim schweres Geld verdienten, während ihre eigenen Familien bei den kargen Unterstützungen hungerten und die Reichen sich nichts abgehen ließen. So wurde das Gemeinschaftsgefühl zwischen Heer und Heimat untergraben, und eine tiefe Kluft tat sich auf zwischen denen, für die der Krieg nur Opfer bedeutete, und den anderen, die am Kriege reich wurden. Die gewaltigen Kriegsaufträge für die Industrie ließen neue Unternehmungen wie die Pilze aus der Erde schießen, da bei den militärischen Stellen Geld keine Rolle spielte. Immer breiter machte sich das Schieberwesen der Kriegsgewinnler, und immer bitterer wurde die Verstimmung in der Heimat und an der Front.
Kann man sich da wundern, wenn das deutsche Volk bei dem Versagen des U-Boot-Krieges und den blutigen Verlusten der Abwehrschlachten an der Westfront den Frieden herbeisehnte mit allen Fasern seines Herzens. Und ist es nicht zu erklärlich, daß ein Aufatmen durch die deutschen Lande ging, als am 19. Juli 1917 der Reichstag mit großer Mehrheit eine Friedensresolution annahm, in der endlich ausgesprochen wurde, daß wir einen Frieden der Verständigung und Versöhnung wollten!
Gegen diese Resolution richtete aber alsbald die unter Führung
229