zu sagen. Auf keinen Fall aber durfte die politische Führung vor der Heeresleitung kapitulieren und damit das deutsche Volk, dem das Wasser bis zum Hals stand, um die Möglichkeit eines Verständigungsfriedens bringen.
Immer größer wurde jetzt die Kluft zwischen der hungernden Masse des Volkes und der Militärdiktatur Ludendorffs, der hinter sich Schwerindustrie und Großgrundbesitz als „Vaterlandspartei" hatte. Schon gab es allerlei Wetterzeichen am politischen Horizont. Im Frühjahr war der erste große Streik in der Munitionsindustrie und im Transportwesen ausgebrochen, und im Herbst kam eö auf einzelnen Schiffen der Kriegsmarine zur offenen Meuterei. Sie wurde rasch niedergeschlagen.
Von der sozialdemokratischen Partei spaltete sich eine Minderheit ab, die als „Unabhängige Sozialisten" in schroffe Opposition zur gesamten Kriegspolitik trat und durch ihre Propaganda die Radikalisierung der Massen förderte. Dieser Kampf gegen den Krieg beschränkte sich aber nicht nur auf Deutschland, sondern trat auch in den Ententeländern sichtbar hervor. In England fanden 1917 große Arbeiterstreiks statt, und in Frankreich wurden zahlreiche Armeekorps von Meuterei ergriffen. Die Kriegsmüdigkeit hatte alle Menschen erfaßt, die unter dem Kriege zu leiden hatten.
Der deutsche Kronprinz sandte im Sommer 1917 einen Bericht an die Oberste Heeresleitung, in dem er auf Grund der militärischen und politischen Lage für möglichst raschen Verständigungsfrieden eintrat. Daraufhin soll Ludendorff gesagt haben, Kronprinz Wilhelm hätte „schlapp gemacht", er müsse „aufgepumpt" werden. (Auch der bayrische Kronprinz hat sich 1917 in einem Bericht an den Reichskanzler für einen baldigen Verständigungöfrieden eingesetzt.)
Ich selbst bekam nach meiner Verabschiedung auch noch von der Obersten Heeresleitung etwas auf den zivilen Schlapphut. Ich hatte nämlich auf Wunsch der „Straßburger Post" bei meinem Abgang einen kurzen Artikel über die Haltung der Elsässer an der Front geschrieben, in dem ich ihnen Lob und Anerkennung zollte.
Die Oberste Heeresleitung schrieb mir darauf im Oktober 1917, daß mein günstiges Urteil über die Elsässer mit dem anderer Heeresstellen in Widerspruch stände, die sich über die Unzuverlässigkeit der Elsässer beklagten. Die Heeresleitung ersuchte mich, künftig zur
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