des Krieges nichts mehr ändern. Sie verweigerten die Ausfahrt. Hunderte wurden gefangen gesetzt, aber von meuternden Kameraden befreit. Offiziere und Unteroffiziere schössen auf die Demonstranten. Die Meuterei wurde zur Revolution.
Überall lag der Zündstoff ehrlicher Verzweiflung aufgeschichtet, und wie ein Lauffeuer sprang die Bewegung auf andere Städte über. Einzelne Matrosen oder Trupps auf Lastautos und in Eisenbahnzügcn schwärmten aus über ganz Deutschland. Wo sie erschienen, wurden rote Fahnen gehißt und Arbeiter- und Soldatenräte nach russischem Muster gebildet. Der Bolschewismus war im Anmarsch.
Am 9. November griff die Revolution auf Berlin über. Die Ersatzbataillone der Garde-Regimenter traten kampflos auf die Seite der Revolutionäre. Der Kaiser dankte ab und ging nach Holland. Philipp Scheidemann rief die Republik aus. Prinz Max von Baden trat zurück und übergab das Reichskanzleramt an Fritz Ebert, den Führer der sozialdemokratischen Partei.
Mit der bis in ihre Grundfesten aufgewühlten Heimat im Rücken vollzog sich im Walde von Compiegne der Schlußakt des großen DramaS. Am 6. November war die Waffenstillstandskommission unter Führung von Erzberger abgereist. FochS Bedingungen waren vernichtend: Auslieferung der Flotte, der Luftschiffe, fast der gesamten Artillerie, unzähliger Lokomotiven, Übergabe der Kolonien, Abtretung von Elsaß-Lotbringen, Besetzung der Rheinlande, Entschädigung für alle Kriegsschäden und Räumung der Provinz Posen.
Ehe Erzberger unterzeichnete, übermittelte er Hindenburg diese Bedingungen. Der Feldmarschall bezeichnete eine Reihe von Punkten, in denen Erleichterungen erbeten werden sollten. Dann folgte der lapidare Satz: „Gelingt Durchsetzung dieser Punkte nicht, so ist trotzdem abzuschließen." Nach Erreichung einiger Milderungen unterzeichnete Erzberger am n. November den Waffenstillstand. Noch am Vormittag dieses Tages schlugen die feindlichen Granaten in unsere Reihen. Um 12 Uhr mittags erstarrte die Front in Schweigen«
Auf dem Leopoldsplatz in Baden-Baden drängte sich an diesem Tage eine erregte Menschenmenge. Einzelne Autos mit Soldaten,
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