die sich durch rote Armbinden als Soldatenräte kennzeichneten, fuhren planlos durch die Stadt. Was sie wollten, wußten sie ebensowenig wie die stumme Menge. Da kam die Nachricht, daß auch in Karlsruhe die Militärrevolte ausgebrochen sei.
Das Generalkommando tat das Gescheiteste, was im Interesse der Ordnung geschehen konnte, es einigte sich mit den Soldatenräten. Ging es doch um alles andere als um hochpolitische Ziele: Fortfall des Zapfenstreichs und der Grußpflicht außer Dienst und ähnliches. Zur Ehre der badischen Soldatenräte muß gesagt werden, daß sie sich sehr verständig benommen haben und gegen Ausschreitungen, gegen Belästigung von Offizieren und gegen das Abreißen von Achselstücken tatkräftig eingeschritten sind.
Sehr schnell kristallisierte sich aus dem wirren Durcheinander der ersten Revolutionstage ein Ordnungskern heraus. Am iv. November trat eine provisorische Regierung in Karlsruhe zusammen, der tüchtige Männer wie Ludwig Haas, Joseph Wirth und Hermann Dietrich angehörten. Kriegsminister in diesem Kabinett wurde der Landsturmmann Johann Trümmer aus Mannheim, seines Zeichens Schmied. „Johann, daß du nicht stolz wirst", sagten seine Kameraden, „und meinst, daß du jetzt als Minister im Hotel essen kannst." „Nein", versprach Brümmer, „es bleibt beim alten." Und wenn nun abends Ministersitzungen waren, kam ein Soldat mit einem Eßnapf für Brümmer. Ein Diener meldete dann im Sitzungszimmer„Herr Kriegsminischter, Ihr Nachteffe isch da."
Am ii. November abends ertönte plötzlich Gewehrfeuer vom Karlsruher Schloß her, und bald darauf heulten die Sirenen Alarm. Große Aufregung! Ein betrunkener Matrose hatte sich mit einer Handvoll Soldaten nach dem Schloß begeben, in dem die großherzogliche Familie, dabei auch die Königin von Schweden, beisammen war.
Der Matrose ließ vor dem Schloß eine Salve abgeben und schlug dann mit dem Kolben gegen das Tor, bis ihm geöffnet wurde. Der Oberhofmeister redete dem Mann, der sich langsam ernüchterte, gut zu, bis er schließlich „kehrt marsch!" kommandierte und mit seinen Leuten abzog. Aus einiger Entfemung ließ er dann das Schloß wieder beschießen. Da kamen Sicherheitspatrouillen
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