auf den Schloßplatz gezogen, die eine Gegenrevolution befürchteten und nun aufs Geratewohl auf die vermeintlichen Reaktionäre schössen, bis der Sergeant der Schloßwache den Irrtum aufklärte.
Unter dem Eindruck dieser Schießereien entschloß sich der Großherzog zur Abreise. Am Hinterausgang des Schlosses standen im Fasanengarten Autos bereit. Unter dem Geknatter der Gewehre und dem Heulen der Sirenen verließ der Großherzog mit seinen Angehörigen die Residenz und fuhr nach Schloß Iwingenberg am Neckar. Er hinterließ keine Feinde, auch nicht auf der äußersten Linken. Als Minister Dr. Haas mit der Wache des Ministeriums im Laufschritt zum Schutze des Großherzogs am Schloß eintraf, war er bereits abgefahren. Drei Tage später wurde Baden zur Republik erklärt.
Großherzog Friedrich war der letzte der abdankenden deutschen Fürsten. Die 21 Kollegen hatten schon gleich am 9. November verzichtet, der König von Sachsen mit dem denkwürdigen AuS- spruch: „Macht euern Dreck alleene!"
Die Fürsten waren weggeweht wie die Blätter im Herbst, wenn ein Windstoß kommt. Keine Hand hat sich für sie gerührt. Keine Generale, keine Hofmarschälle und Kammerherren haben sich mit dem Degen schützend vor ihre Fürsten gestellt. Warum? Weil jedermann, wohl auch die Fürsten selbst, sich bewußt war, daß im Weltkrieg das monarchische System unrettbar Bankrott gemacht hatte. Denn zum Schutz seiner Grenzen war das deutsche Volk in den Krieg gezogen. Dann aber hat man aus dem Verteidigungskrieg einen Eroberungskrieg machen wollen und so das vier Jahre lang blutende, hungernde und hoffende Volk trotz aller Siege um einen Frieden in Ehren gebracht. Solche Erfahrung kann kein Volk ruhig ertragen, und wenn es noch so geduldig ist.
Mit den Fürsten verschwanden von der Bühne der Öffentlichkeit auch die Anhänger des alten Systems, bis es den Linksparteien gelungen war, das Vaterland aus dem Chaos zu befreien. Dann aber wagten sie sich wieder hervor und liefen um so tapferer Sturm gegen die junge, geduldige Republik.
In dem friedlichen Kurort Baden-Baden gab es keine Revolution. Ein Arbeiter- und Soldatenrat ließ sich zwar im Rathaus
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