jetzt den dringenden Wunsch, mit uns wieder Geschäfte zu machen. Zuversicht und Hoffnung wird in die Gemüter zurückkehren, das fleißige deutsche Volk wird wieder arbeiten, weil es endlich wieder wissen wird, wozu, und weil das Leben wieder Sinn und Zweck gewinnen wird. Wir werden aus der jetzigen Weltuntergangsstimmung mit ihren Spielbanken und Foxtrott-Tänzen wieder herauskommen. — Freilich hart wird das Leben sein, ein Leben voll Arbeit und von größter Einfachheit und Bescheidenheit. Ein bescheidenes Leben sind wir aber all die KriegSjahre her gewöhnt, und besser als jetzt werden wir es allemal bekommen, sobald nur erst der Friede da ist. — Die KriegSgewinnler allerdings und die Schieber, die werden ihren Reichtum opfern müssen, soweit sie ihn nicht bereits ins Ausland gerettet haben. Mit ihnen wollen wir kein Mitleid haben.
Es gibt zwei Sprichwörter, das eine heißt: „Kommt Zeit, kommt Rat." Das andere: „Es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird." — Auch dieser Friede wird nicht so heiß gegessen werden, wie er gekocht ist. Er leidet zu stark an inneren Widersprüchen und Unmöglichkeiten, daß sich die Notwendigkeit einer Revision im Laufe der Zeit ganz gewiß ergeben wird, zumal wenn Deutschland ein gleichberechtigtes Mitglied des Völkerbundes sein wird.
Nun wird vielfach eingewendet, daß es schmachvoll sei, diesen Frieden zu unterzeichnen.
Ich bin der Meinung, daß die Wahrung unserer Ehre nicht dadurch erreicht wird, daß wir unS jetzt vollends von den ins Land einmarschierenden Feinden totmachen lassen, sondern dadurch, daß wir uns wieder mit aller Kraft emporzuarbeiten suchen, daß wir der Welt durch die Tat beweisen, daß wir immer noch das tüchtige deutsche Volk sind, das die andern dringend zum eigenen Gedeihen brauchen. In dieser Tat besteht die wahre nationale Ehre, nicht aber in heroischen Gesten und Phrasen.
Deshalb laßt es endlich Frieden werden!"
Am 2z. Juni 1919 wurde der Friedensvertrag in der Nationalversammlung mit 2Z7 Stimmen gegen iz8 Stimmen angenommen und am 28. Juni in Versailles unterzeichnet.
Wegen meines Artikels entstand natürlich eine furchtbare Aufregung unter meinen Kollegen von der Generalität, denn auch von
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