verborgensten Winkel hineingeleuchtet werden. Das deutsche Volk braucht die Wahrheit, und wenn es über Leichen ginge. Es braucht die Wahrheit zur Selbsterkenntnis, zur Läuterung und zur Wiedergewinnung des Vertrauens der Welt und der eigenen inneren Ruhe. Mögen Sie, Herr Reichsminister, aus dem jetzigen Trommelfeuer als Sieger hervorgehen und möge Ihnen die aufrichtige Zustimmung eines alten Soldaten eine kleine Freude in dem schweren Kampf bereiten.
Mit vorzüglicher Hochachtung habe ich die Ehre zu sein
Ihr sehr ergebener
Deimling."
Auf diesen Brief hin fragte Erzberger sofort telegrafisch bei mir an, ob ich die Veröffentlichung gestattete. Selbstverständlich habe ich diese Frage bejaht. Und tags darauf ist der Brief durch die ganze deutsche Presse gegangen und hat auf feiten der Reaktion einen Orkan der Entrüstung entfacht.
Der erste, der protestierte, war Ludendorff. Er telegrafierte aus Berlin: „Euer Exzellenz sagen in Ihrem Brief vom 4. August, daß jede Verständigungspolitik gescheitert ist an der heillosen Verblendung der Obersten Heeresleitung. Euer Exzellenz bitte ich um Beweise für diese unerhört schwere Beschuldigung. Ludendorff."
In Beantwortung dieser Anfrage entstand ein Schriftwechsel zwischen Ludendorff und mir, den ich mit seiner Genehmigung hier folgen lasse:
„Baden-Baden, 14. August 1919.
Hochgeehrter Herr General!
Euer Exzellenz wünschen von mir Beweise für die Behauptung, daß jede Verständigungspolitik gescheitert sei an der heillosen Verblendung der Obersten Heeresleitung.
Hierzu beehre ich mich nachstehendes zu erwidern:
i. Präsident Wilson hat im Dezember 1916 und Anfang Januar 1917 den Frieden vermitteln wollen. Seine Absicht wurde zerstört durch die Erklärung des von der Obersten Heeresleitung
248