Wie Ew. Exz. bekannt, habe ich den Gedanken eines Staatsgerichtshofes vielleicht als erster vertreten; jetzt wird aus ihm nichts. Auch ich will Wahrheit!
Mit der Versicherung usw.
Ludendorff."
„Ober-Greinau, 26. August 1919.
Hochverehrter Herr General!
Für Ew. Exz. Brief vom 18. 8. danke ich verbindlichst. Die Erklärungen, die von den leitenden Persönlichkeiten zur Friedensmöglichkeit im Sommer 1917 kürzlich in der Presse veröffentlicht wurden, habe ich wohl gelesen.
Sie ändern aber nach meiner Ansicht nichts an der Tatsache, daß der Papst die Möglichkeit einer Anknüpfung geboten hat, die von deutscher Seite abgelehnt wurde.
Auf die übrigen zwei Fälle, die Ew. Exz. als nicht zutreffend bezeichnen, möchte ich jetzt nicht weiter eingehen, da ja der Staats- gerichtShof hoffentlich bald Klärung bringen wird. Aber ganz abgesehen von diesen FriedenSmöglichkeiten lag nach meiner Überzeugung der Schlüssel zur Verständigung in der belgischen Frage.
Wenn die Reichsleitung rechtzeitig zu dem Entschluß gekommen wäre, klipp und klar auszusprechen, daß wir Belgien räumen und wiederherstellen wollen, dann wäre das Tor zur Verhandlung offen gewesen. Besonders das Jahr 1917 war hierfür günstig, weil die Sorge um einen vierten Kriegswinter alle Kriegführenden schwer belastete. — Aber das erlösende Wort wurde nicht gesprochen, weil die Oberste Heeresleitung am Glauben an die Möglichkeit deS Endsiegs über die Weltkoalition festhielt.
Diese Möglichkeit aber lag nach dem Eintritt Amerikas in den Krieg weit außerhalb der Grenzen des Erreichbaren.
Denn auch die großartigste Führung und die glänzendsten Siege mußten sich schließlich an der feindlichen Übermacht totlaufen, und einmal — und zwar bald — mußte der Zeitpunkt kommen, wo das hermetisch von jeder Zufuhr abgeschnittene Deutschland wirtschaftlich zusammenbrach.
Die Ansicht, daß wir trotz alledem den Endsieg errungen hätten.
251