wenn nur das deutsche Volk durchgehalten hätte, halte ich nicht für richtig.
Ich habe vom Frühjahr 1917 ab in der Heimat unter dem Volk gelebt und habe mit Bewunderung gesehen, wie heroisch das Volk den Hunger, die Leiden, die Kriegsgewinnler und Schieber, den Ruin der Geschäfte und des Handwerks ertrug bis zur Grenze des Menschenmöglichen. Kein anderes Volk hätte das so lange ertragen wie das deutsche Volk. Der Vergleich mit Frankreich stimmt nicht. Frankreich hat nicht gehungert, wenigstens bei weitem nicht in dem Maße wie das deutsche Volk.
Frankreich Hatte das offene Weltmeer und Amerika hinter sich, das ihm immer wieder neue Kraftquellen moralischer und materieller Art zuführte, während wir wie in einer dumpfen Festung eingeschlossen waren.
Gewiß — es ist schwer für den Generalstabschef auf seiner glänzenden Siegeslaufbahn abzustoppen und das Schwert mit dem Palmenwedel des Friedens vertauschen zu sollen.
Auch Moltke wollte nach der Schlacht von Königgrätz als Sieger in Wien einziehen. Da kam aber Bismarck und brach ihm den Siegeswillen mit Rücksicht auf das Staatswohl, das höher ist als alle Strategie.
An einem Reichskanzler, der stärker war als die Oberste Heeresleitung und der ihrem nur zu natürlichen Kriegswillen ein Regulator hätte sein können, hat es zu unserm Unglück in diesem Kriege gefehlt.
Und darin liegt für den Generalstabschef die Tragik, gleichzeitig aber auch die Entlastung.
Deshalb habe ich in meinem Brief an Erzberger nicht nur die Oberste Heeresleitung, sondern auch den Reichskanzler und den Reichstag genannt.
Mit vorzüglicher Hochachtung usw.
Deimling.
„Berlin, zi. August 1919.
Hochgebietender Herr General!
Euer Exzellenz danke ich gehorsamst für Ihr Schreiben vom 26. August. Ich darf um Erlaubnis bitten, nochmals Ew. Exz. Zeit in Anspruch zu nehmen.
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