das Volk geistig widerstandsfähiger gegen die so gewaltig starke feindliche Propaganda machen. Womit trafen wir denn die Psyche der feindlichen Völker? Wir haben nicht alles getan, um auch wirklich alles herzugeben. Mag Ansicht gegen Ansicht stehen, so bietet doch auch dies keinen Grund, der von so vielen angegriffenen Obersten Heeresleitung so Schweres anzutun, wie Ew. Exz. es taten.
Ich möchte nur noch fragen, hat Biömarck sein Ziel mit Frankreich erreicht, als er dem Rat MoltkeS zuwiderhandelte und Frankreich Belsort beließ? Unser Krieg jetzt hätte eine ganz andere Gestalt genommen, wenn wir in Belsort gestanden hätten. Niemand wird das besser beurteilen können wie mein früherer Vorgänger in der 2. Abteilung und mein früherer Kommandierender General in Straßburg.
Hätten wir im Kriege einen Reichskanzler gehabt, nicht als Regulator für die Oberste Heeresleitung, sondern als Führer des Volks, dann wäre alles gut gewesen. Es galt nicht, die Oberste Heeresleitung zu zügeln, sondern das Volk vorwärts zu führen auf einem unendlich schweren Weg — zum Siege.
Verzeihen Ew. Exz. nochmals die langen Ausführungen.
Mit vorzüglicher Hochachtung bin ich Euer Exzellenz gehorsamer
Ludendorff."
„Baden-Baden, 15. September 1919.
Hochverehrter Herr General!
Euer Exzellenz Brief vom zi. August ist erst am n. September in meine Hände gelangt. Er hat, wie der beiliegende Umschlag zeigt, den Umweg über Luzern gemacht und ist unterwegs geöffnet worden; ich habe ihn offen hier bekommen.
Ich bin Ew. Exz. für den Bries um so dankbarer, als er mir Gelegenheit zu einer weiteren Aussprache gibt. Ich bitte, daß diese ebenso frei und offen sein darf wie bisher.
Ew. Exz. Ansicht, daß die elsaß-lothringische Frage eine gleich wichtige Bedeutung hätte wie die belgische Frage, stimme ich durchaus zu. Der Schlüssel zur Verständigung lag aber in der belgischen Frage. Mittelst dieser war einmal zunächst das Tor zu öffnen. War es erst geöffnet, dann wäre gewiß Frankreich mit der
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