von rechts ebenso zugute wie die Bedrückungen, mit denen die Entente in Fortwirkung der Kriegspsychose das deutsche Volk peinigte.
Aus dieser Atmosphäre heraus entstand der „Kapp-Putsch", den im März 1920 meuternde Offiziere in Verbindung mit allen möglichen reaktionären Elementen unternahmen.
Die Putschisten stützten sich auf die Brigade Ehrhardt im Döberitzer Lager, die nach den Bestimmungen des Friedensvertrages mit baldiger Auflösung rechnen mußte. Ein Versuch Noskes, mit Reichswehrtruppen den Meuterern entgegenzutreten, scheiterte an der Haltung der Berliner Generale. Die Reichöregierung mußte die Hauptstadt verlassen. Aber schon nach vier Tagen brach der Spuk an dem Generalstreik der Arbeiterschaft zusammen. Die Führer, Kapp und Lüttwitz, verschwanden von der Bildfläche.
In verschiedenen Gegenden hatte sich aber die Arbeiterschaft mit den Waffen in der Hand den Putschisten entgegengestellt. Zu besonders erbitterten Kämpfen kam es im Ruhrgebiet, wo sich Teile des Militärs für die Kappregierung erklärt hatten. Die radikale Arbeiterschaft organisierte sich dagegen zu einer roten Armee und begann mit wilden Beschlagnahmungen und Requisitionen. Die Regierung entschloß sich, Reichswehr dagegen in Marsch zu setzen. Ohne daß eS zu erheblichen Zusammenstößen kam, gelang es, die rote Armee aufzulösen.
Leider war das Verhalten eines Teils der einmarschierenden Reichswehr nicht einwandfrei. Die Soldaten fühlten sich wie Sieger in Feindesland, Massenverhaftungen auf Grund von Denunziationen, willkürliche Erschießungen und Mißhandlungen von Gefangenen waren an der Tagesordnung. Daß die Unruhen im Industriegebiet nicht noch einen viel größeren Umfang angenommen haben, war das Verdienst von Karl Severing. Seinem zielbewußten Auftreten als ReichSkommissar und seinem Verständnis für die Psyche der Arbeiterschaft ist es zu danken, daß die verfassungstreuen Elemente sich von der roten Armee trennten. Severingö Leistung ist um so höher zu werten, als er bei dem Militärbefehlshaber, General von Matter, nicht immer rückhaltlose Unterstützung gefunden hat.
Im badischen Ländle merkte man so gut wie nichts vom Kapp-
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