Putsch. Als Kapp den bübischen Staatspräsidenten telegrafisch zu einer Besprechung nach Berlin einlud, telegrafierte dieser postwendend zurück: „Die badische Regierung lehnt jede Beziehung zu Ihnen ab."
Auf mich selbst hatten diese Anstürme von rechts und links gegen die junge Republik die Wirkung, daß ich immer dringender die Verpflichtung fühlte, mich mit aller Kraft für ihren Schutz einzusetzen.
Am Wahlkamps für die am 6. Juni 1920 stattfindenden Reichs- tagöwahlen habe ich mich darum in der Presse und in Versammlungen besonders aktiv beteiligt. Dabei habe ich mich nicht nur für die Republik, sondern auch für Völkerverständigung und Deutschlands Eintritt in den Völkerbund ins Zeug gelegt.
Natürlich erhob sich in der Rechtspresse ein großes Geschrei darüber, wie ein ehemaliger General und noch dazu einer wie der Deimling für den Völkerbund eintreten könne. Habe doch Deimling einmal — so vor etwa zwölf Jahren — in Mülhausen gesagt: DaS Gequassel vom ewigen Frieden sei Mumpitz. Also ein Gesinnungswechsel! An den Pranger mit ihm!
Als ob ein General seine Gesinnung nicht ändern dürfte nach der furchtbaren Lehre des Weltkrieges! Das ist ja gerade der Vor- wurf, den ich den Männern auf der Rechten mache, daß sie in ihrem Denken vor 1914 wieder anknüpfen und ohne aus dem blutigen Erleben der vier Jahre Krieg zu lernen, das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen. Damals standen sich die europäischen Mächte bis aufs letzte gerüstet gegenüber, und der Krieg war nicht abwendbar für die kleine Schar überzeugter Pazifisten. Heute kennen Millionen das wahre Gesicht des Krieges, und in allen Ländern stehen die besten Männer auf, um für den Frieden zu kämpfen und zu verhindern, daß eine verlogene Verherrlichung des „Stahlbadeö" eine neue Generation zum Völkerhaß erzieht.
Und gerade Deutschland, in der Mitte von Europa gelegen, gewissermaßen daS Herz des europäischen Körpers, ist vom Schicksal ganz besonders dazu bestimmt, eine Politik der Verständigung und Freundschaft mit den Nachbarvölkern zu treiben. Jede andere Politik, vor allem das Liebäugeln mit einem Revanchekrieg der Zukunft, muß zwangsläufig zu neuer Einkreisung und zum Untergang führen. Zudem hat der Weltkrieg gezeigt, daß bei der engen
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