Ein Patriot ist derjenige, der mithilft am Wiederaufbau des Vaterlandes auf Grund der bestehenden Staatsform. Wer hiergegen ankämpft, der ist kein Patriot, denn er hindert den Wiederaufbau; er ist weiter nichts als ein nationalistischer Phrasenheld. Leider lassen sich viele Deutsche von diesen Phrasenhelden terrorisieren. Macht euch frei von ihnen, kommt mit unter das Reichsbanner; dann seid ihr in Wahrheit „national" und „patriotisch"!
Und dann gibt es noch eine weitere Art von Staatsbürgern: daS sind die Gleichgültigen, denen alles andere einerlei ist, wenn es nur ihnen möglichst gut geht. Diese machen aber die Rechnung ohne den Wirt. Sie bedenken nicht, daß es dem einzelnen nur dann aus die Dauer gut gehen kann, wenn es der Allgemeinheit gut geht.
Mit besonderer Sorge aber muß uns die Haltung der deutschen Jugend, namentlich der studentischen Jugend, erfüllen.
Aus der Marienburger Tagung des deutschen Hochschulrings hat ein Student als Redner gesagt: „Ja, wir sind Kriegshetzer! Planmäßig und zielbewußt hetzen wir das deutsche Volk dem Krieg entgegen, aber wir hetzen es damit in seine letzte Rettung."
Welche Überhebung und welche Verblendung liegt in diesem Bekenntnis!
Erstens einmal werden sich die Männer, die vier Jahre lang im Schützengraben gelegen haben, dafür bedanken, sich von jungen Leuten, die zur Zeit des Krieges noch die Hosen hinten zuknöpften, in einen neuen Krieg hetzen zu lassen. Und zum zweiten ist dieses Bekenntnis ein erschreckendes Zeichen dafür, auf welche Irrwege die deutsche Jugend von falschen Propheten geführt worden ist.
Ein neuer Krieg soll unsere Rettung sein? Womit sollen wir ihn denn führen? Wir haben ja keine Waffen, weder jetzt noch in absehbarer Zeit.
Die Jugend sollte sich über den Krieg nicht von Professoren belehren lassen, die daheim auf dem Katheder saßen, als es draußen blitzte und krachte, sondern sie sollte aus Männer hören, die das Trommelfeuer des Maschinen- und Gaskrieges am eigenen Leib und an der eigenen Seele verspürt haben — auf Männer wie der Dichter Fritz von Unruh und sein Bruder Franz, Major Endres und noch viele andere, die darüber berichtet haben.
Der moderne Krieg ist nicht mehr ein „frisch-fröhlicher Krieg",
18 Deimling/ Zeit
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