wie man ihn unverantwortlicherweise der Jugend vorredet; er ist nicht mehr ein ritterliches Duell persönlicher Kräfte, sondem sein frisch-fröhliches Gesicht ist unter der Herrschaft der Maschine und der Chemie zu einer scheußlichen Fratze verzerrt.
Der feindliche Soldat ist nicht mehr das Hauptziel des Krieges, der Krieg wird über die Front hinweg mit Flugzeugen und Giftbomben gegen das Hinterland geführt werden, vor allem gegen die feindlichen Großstädte. Die Zerstörungen des letzten Krieges werden ein harmloses Kinderspiel gewesen sein gegen das, was der nächste Krieg infolge der „Errungenschaften" der immer mehr fortschreitenden Zerstörungstechnik bringen wird. Ein Zukunftskrieg wird die europäische Kultur — ganz besonders diejenige Deutschlands, das der Kriegsschauplatz sein wird — rücksichtslos vernichten. Und die Menschheit wird darum gut tun, sich nach anderen Mitteln und Wegen zur Schlichtung ihrer Streitigkeiten umzuschauen, um die Kriege in Zukunft nach Möglichkeit zu vermeiden.
Solche Mittel sind der Völkerbund und das Schiedsgericht. Es ist ein Verbrechen an der Nation, der Jugend das Gift des Haffes in das Herz zu träufeln und sie unter Ausnutzung ihrer Begeisterungsfähigkeit in eine Kriegspsychose hineinzuhetzen.
Der Haß ist nicht deutsch und nicht christlich.
Nicht ein Revanchekrieg muß das Ideal unserer Jugend sein, sondern der Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Zu tüchtigen Staatsbürgern soll sie sich heranbilden; mit Kopf und Hand, jeder an seinem Platz. Das erfordert heute mehr Energie und mehr Mut, als durch die Gaffen zu ziehen und das Lied zu singen: „Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen!"
DaS Schüren des Hasses und der Revanchestimmung hat aber auch bedenkliche außenpolitische Folgen: eö läßt das Mißtrauen Frankreichs nicht zur Ruhe kommen, es erschwert unserer Regierung die Verständigung und die Außenpolitik und erschwert die Lage unserer Brüder in den besetzten Gebieten.
Ein wahrer Segen ist es deshalb für unser Vaterland, daß das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" in so machtvoller Organisation, wie wir sie heute hier sehen, erstanden ist.
Das Reichsbanner wird an der Republik nicht rütteln lassen; es wird ein Gegengewicht sein gegen die unreifen und schädlichen
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