Zukunft! Jener gilt meine Erinnerung, dieser mein Schaffen, solange mir Gott die Kraft dazu gibt.
Im Winter 1924 habe ich im Wahlkampf für die Reichstagswahlen unter anderem auch im Berliner Sportpalast gesprochen. Die „B. Z. am Mittag" schrieb darüber:
„Deimling spricht
-Seine Exzellenz der Herr General der Infanterie von Deimling !'
Auf diesen Aufruf ein kleiner Augenblick der Stille, dann dröhnt das riesige Haus des Sportpalastes von jubelndem Lärm. So werden nur die Lieblinge der Massen empfangen. Ein schlanker, grauhaariger Herr knöpft seinen schwarzen Rock zu, so daß er ganz eng anliegt wie ein Waffenrock, und zieht ihn mit der gewohnheitsmäßigen Handbewegung des alten Soldaten nach unten. Dann steigt er, elastisch wie ein Leutnant, auf die hohe Rednertribüne und sieht mit fröhlichen Augen in den tobenden Saal. Der beruhigt sich endlich, und es wird ganz still, sowie der General zu sprechen beginnt.
Schon nach den ersten Worten merkt man's: dieser Mann hat das große Geheimnis heraus, wie man zu den Massen sprechen muß. Keine Umstände und Geschichten, keine langen Einleitungen, sondern gerade heraus, was einem auf dem Herzen liegt. Nicht anders wie eben ein General in ernster Stunde vor seinen Soldaten spricht oder sprechen soll. Einfach, in lebendigen Bildern, als Kamerad zum Kameraden.
Nie verleugnet er den Soldaten, den Kämpfer. Er verleugnet auch nicht die alte deutsche Tradition, daß im Angriff die Bürgschaft des Sieges liegt. Er ist der kriegerische Soldat des Friedens, seine Erkenntnis, daß es zu keinen Schlachten des Krieges mehr kommen darf, begeistert ihn zu Schlachten für den Frieden. Er ist schwer bewaffnet mit einer kernigen, schneidigen Offiziersstimme, die über weite Fronten zu klingen gewohnt ist, mit ätzendem Witz, mit vernichtendem Hohn und mit einem Rednertemperament, das mit geballten Fäusten auf den Feind losgeht.
Es ist nur natürlich, daß die kräftigen Bilder, die Deimling wählt, fast immer aus dem Soldatenleben genommen sind. Gegen die Stinkbomben, die seine Gegner gegen ihn platzen lassen, hat er die .Gasmaske der Überzeugung', daß er auf dem rechten Wege sei.
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