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gleitung mitgebracht werden, dachartig überdeckt. Dann wird das Grab zugeworfen, die Erde darauf geebnet und mit einer Reihe weißer Kieselsteine belegt.
Nach dem Tode giebt es bei den Sudahnesen keinen Standes« unterschied mehr. Der am Galgen Gestorbene wird ebenso beerdigt, als der wohlhabende Kaufmann oder Schech. Keine Regierung befolgt die in Europa vormals gebräuchlich gewesene Unsitte, den Leichnam eines Hingerichteten unbeerdigt verfaulen zu lassen. Sie tödtet den Verbrecher, gönnt ihm aber ein ehrlich Bcgräbniß. Ein Gehängter wird schon nach wenig Stunden von seinen Verwandten vom Galgen genommen, wie jeder andere Tode gewaschen in das Lailach gehüllt und unter den Gebeten eines Fakhie der Erde übergeben. Mit dem Tode eines Hingerichteten endigt seine Entehrung.
Gehen wir mehr in das tägliche Leben der Sudahnesen ein, so finden wir auch hier manche merkwürdige Gebräuche. Ich gedenke zuerst ihrer Art und Weise, Bekannte zu begrüßen. Sie machen beim Gruß noch weit mehr Umstände und Komplimente als die Egypter. Zuerst geben sie sich die Hände und drücken sie an den Mund, d. h. Jeder küßt die innere Fläche seiner eignen Hand und giebt sie dann dem Anderen wieder. Die Redensarten „88- lLmLllt, tnibilln, sMmLllt, Svi8k, KM' (Sei gegrüßt,
bist Du wohl? Sei gegrüßt, wie ist Dein Befinden, wie geht es Dir?) und ähnliche Worte werden unzählige Male wiederholt, ebenso das Küssen und Drücken der Hände. Dann erst beginnen die Fragen nach dem Haushalte. „Was macht Deine schöne Kamelstute (Näkhe) B8ch'ieds*)? Hat sie ein Junges geworfen oder nicht? Haben sich Deine Heerden vermehrt? Hast Du Deine Steuern und Abgaben entrichtet? Der Herr sei uns gnädig, wir müssen doch gar zu Viel zahlen! Sind Deine Kinder wohl? Wie geht es Deiner Frau? 8slnmakt, ta'iditin, kmlamnllt, 8eisk, kett' llatilak?" Hierauf geleitet der Gastfreund seinen Gast in die Hütte; man
*) Ein Name, welcher oft Thieren und — Gelarinnen gegeben wird und die Glückliche bedeutet.