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Erster Theil
Entstehung
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176
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bringt eine Burma Meriesa herbei und führt die weitere Unterhal­tung bei der kreisenden, schön verzierten, mit glühenden Eisen gebrannten und noch besonders dekorirren Kürbisschale. Die No­maden setzen sich nicht auf Anakharihb, sondern kauern sich auf ihre eignen Fersen. Sie sind von Kindheit an an dieses sonderbare Sitzen gewöhnt und ruhen so wirklich aus; freilich muß ich bemer­ken, daß ihre Beine eine ganz andere Beschaffenheit dadurch erhal­ten haben, als die eines anderen Menschenkindes. Die Wade fehlt beinahe und der Oberschenkel liegt so genau auf ihr auf, daß nicht der geringste Raum zwischen Beiden bemerkt werden kann.

Will ein Sudahnese seinen Gast besonders ehren, dann schlach­tet er ein Schaf oder, wenn er arm ist, wenigstens eine Ziege und bereitet deren Fleisch als besonderen Leckerbissen zu. Gewöhn­lich ißt er nur seine stehenden GerichteÄssiedä" undLükhmS". Aber er ist so gastfrei, daß er den Tag, an welchem ein Fremder oder Bekannter in seiner Hütte einkehrt, als einen Festtag betrach­tet und dann Alles, was in seiner Macht steht, gern thut, um seinen Gast zu erfreuen. Wenn es ihm möglich ist, veranstaltet er wohl auch einen Tanz vor seiner Hütte und versammelt dazu seine Nachbarschaft. Der Tanz ist ein Lieblingsvcrgnügen aller Sudah- nesen und wenn auch nicht in dem Grade ausgebildet als in Egyp- ten oder Kardofahn, dennoch nicht ohne künstlerischen Werth, leider freilich nur in den Augen der Sudahnesen.

Selbst Fremde werden von dem Sudahnesen freundlich und gastlich aufgenommen. Er theilt sogar dem bettelnd und stehlend von Ort zu Ort nach Mecka wandernden T a kh ruh ri-Pilger gern eine Gabe mit und ist zuvorkommend gegen Weiße und Braune. Seiner Meinung nach reicht die Gastfreundschaft selbst bis über das Grab hinaus. Man erzählte mir, daß Derjenige, welcher auf einem Friedhofe eine Nacht zubringen wolle, nur ruhen könne, wenn er sich entschieden auf ein Grab und nicht zwischen zwei Gräber lege. Denn thäte er das Letztere, dann zögen ihn die Todten, zwischen deren Behausungen er sein Lager aufgeschla­gen habe, wechselseitig zu sich heran, in der Absicht, sich die Rechte

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