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und heult mit ihm. Dabei klopft Einer den Andern beruhigend auf die Schultern und Jeder weint an des Andern Halse. Auch wenn ein Todter schon längst beerdigt ist, ist Jeder, welcher noch nicht mit den Verwandten geklagt hat, durch die Sitte verbunden, von Neuem einen Klaggesang zu erheben. Dann wird dieser freilich oft genug durch ganz heterogene Redensarten unterbrechen. „Tröste Dich Gott mein Bruder!" „Msri, mLktülll m,u sLuä rLb- blnL" (das ist Gottes Schickung), „seine Tage sind beendigt, Gott hat ihn begnadigt aredsmtü), weine nicht!" „Aber sage
mir, mein Bruder, willst Du mir wirklich das junge Kamel nicht verkaufen? Ich bot Dir schon dreihundert Piaster dafür!" „„Nein, mein Bruder, das ist zu wenig. Ach, mein Bruder, mein begnadigter und erlöster Vater!" " Und nun beginnen Beide wieder zu heulen und der Erste spricht wieder: „Tröste Dich Gott, mein Bruder, weine nicht mehr! ULü68otr lÄck» mlu sollLllu 61 müllt LjMenir (für den Tod giebt es keinen Ausweg), llälr rätrsäk t-üd" (erhebe Dein Haupt) u. s. w. Das sind dergleichen Redensarten, welche man bei jedem Todesfälle hören kann. Dabei ahmen sie alle Gebcrden des tiefsten Schmerzes nach, schluchzen und heulen, klagen und wischen sich mit der Hand die Augen, obgleich nicht eine Thräne fließt. Es hat für uns Europäer etwas wahrhaft Empörendes, die Todtenklage mit anzuhören; wir können uns des unangenehmen Eindrucks, welchen diese durch die Sitte gebotene Heuchelei auf unS macht, gar nicht cntwehren.
Das Begräbniß einer Leiche erfolgt ganz nach mahammcdani- schen Regeln und Gesetzen. Man macht im Sande der Steppe in einiger Entfernung von dem Wohnplatze eine nur drei bis vier Fuß tiefe Grube, gewöhnlich an hochgelegenen Stellen. Die in den Kcffn eingewickelte Leiche wird auf einem Ankharehb in zahlreicher Begleitung von singenden Männern und brüllenden oder heulenden Weibern nach dem Fricdhofc gebracht und dort so in das Grab gelegt, daß ihre Füße in die Richtung nach Mecka zu liegen kommen, wohin das Gesicht des Todten schauen soll. Einen Sarg kennt man nicht. Der Leichnam ruht auf dem Boden des Grabes, wird aber mit trocknen Luftsteinen, welche von der Be-
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