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dcr Kamele geschmeidig und beweglich zu machen oder Wunden dieser Thiere zu heilen, vermehren aber den ohnehin unleidlichen Gestank derselben noch bedeutend.
Ohne Zuthun der Menschen wächst in der Steppe Indigo (arabisch Nihle genannt). Früher gab es im Sudahn mehrere Fabriken zur Bereitung des von den Arabern sehr geschätzten Fär- bestoffs; jetzt bestehen meines Wissens nur noch zwei von ihnen: die eine in dem Dorfe Käriüm am Djcbel Rojahn, die andere in dem Städtchen Meraui am Djebel Barkal, im Dahr cl Schcik'ic. Beide gehören der Regierung, sehen aber ihrem Verfall entgegen: die Türken und Araber verstehen wohl Etwas zu erbauen, nicht aber, es zu erhalten. In Charthum kostet die Okha Indigo zwölf Piaster, was nach unserem Gewicht und Geld für das preußische Pfund zehn bis zwölf Silbergroschcn betragen würde.
Handel und Ackerbau sind die unter den Sudahnescn verbreiteten Gewerbe. Handwerke cristiren in der von uns gekannten Bedeutung unter ihnen nicht; jeder ist mehr oder weniger selbst der Vcrfcrtigcr dessen, was er braucht.
Die Frauen sammeln die aus den reisen Kapseln der wild wachsenden oder angebauten Staude hervorquellende Baumwolle, krempeln und reinigen sie mit der Hand oder mit sclbstgefcrtigtcn, höchst einfachen Instrumenten und spinnen sie auf mangelhaft geschnitzten Spindeln zu ungleichen Faden aus. Männer und Frauen sind gleich fähig, zu weben; die Stühle, auf denen es geschieht, sind ebenso einfach als das gewebte Zeug. Der Weber oder die Weberin schlägt sich im Schatten eines dichtbelaubten Baumes vier Pfähle in die Erde und bedeckt diese mit einem Dach aus Durrahstroh. Inmitten dieser Hütte ist ein Loch, in welchem der Arbeiter seine Füße unterbringt und die Trittbrettc zu den „Geschirren" befestigt. Die „Lade" mit dem aus Durrahstroh gefertigten „Kamme" hängt an zwei Schnuren vom Dach herab. Dann sieht man noch zwei runde Hölzer zum Aufwickeln des Zeuges und in einer bestimmten Entfernung einen in die Erde geschlagenen Pfahl, um welchen der Arbeiter das Ende der „Kette" schlingt. Das ist,