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Geschlecht ungcschwächt erhalten. Sie verweigern dem Weißen zuweilen sogar die nöthigen Nahrungsmittel. Der Reisende wird dadurch gezwungen, das, was er bedarf, mit Gewalt zu nehmen. So hatten unsere Diener sich auf gewaltsame Weise Esel verschafft, welche sie dann gemeinsam und abwechselnd zum Reiten benutzten. Ein alter, von uns in Obced in Dienst genommener Nubicr, Mahammed-Wod-Gitcrc oder Khitcre (von seinen Lands- lcuten Gitcrendo* **) ) genannt), führte einen Eselsattcl, d. h. nach Landcsgcbrauch ein einfaches Holzgcstcll mit Border- und Rücklehne und zwei Sitzbrettcrn mit sich und legte diesen dem ersten besten Esel auf, dessen er habhaft werden konnte. Dann ritt er ohne Gewisscnsscrupel mit der Karawane weiter. Der Herr des Esels erschien sehr bald, um sein Eigenthum wieder in Besitz zu nehmen, erhielt es aber nicht, bevor sich ein anderer Esel gefunden hatte und wurde bis dahin als Treiber benutzt. Nachdem seine Dienstleistungen beendet waren, empfing er die gewöhnliche Miethe für seinen Esel und einen Bakhschiesch obendrein. Gitercndo hatte auf diese Weise einen großen Theil der dem Alten sonst zu beschwerlichen Reise zurückgelegt und gedachte seinen im Dorfe Schetieb eroberten Esel noch bis Abu-Djcrahd, einem am Saum der Steppe in der Nähe des weißen Flusses gelegenen Dorfe, zu benutzen, obgleich der Treiber bereits neun deutsche Meilen neben seinem Grauthicre hergewandelt war.
Auch die Bewohner deS Dorfes Helba waren nicht zu bewegen, uns einige dringend nothwendige Lastthiere zu vcrmiethen. Bitten und Drohungen fruchteten Nichts, deshalb nahmen wir zuletzt zwei Esel, welche am Brunnen getränkt werden sollten, gewaltsam weg. Aber die Hclbaui^) schienen mit unserem Verfahren nicht zufrieden zu sein. Schon in der Nacht stahlen sie ihre
*) Mahammed-Wod-Gitere oder Giterendo ist gleichbedeutend. Ersteres bedeutet Muhammed, Gitere's Sohn, das Letztere geradezu Gitere's Sohn. (Wod ist das verstümmelte Woled und bedeutet wie das berberische, dem Name» immer hinten angefügte „D o" Sohn oder Knabe.)
**) Bewohner des Dorfes Helba.