Dieses kolonialismus- und rassismuskritische Glossar versteht sich sowohl als Beitrag zu einem sensibleren Umgang mit Sprache, als auch als Bestandteil einer selbstkritischen und dekolonialen Auseinandersetzung mit der Bestandsgeschichte und der Sammlungsdokumentation im Technischen Museum Wien.
Globaler Norden
Globaler Norden bezeichnet die Gegenkategorie zum Globalen Süden und umfasst vor allem die industrialisierten Staaten Europas, Nordamerikas sowie einzelne Länder Asiens (z. B. Japan, Südkorea) und Ozeaniens (Australien, Neuseeland). Dabei handelt es sich nicht um eine geografische Bezeichnung, sondern um ein Konzept, das auf wirtschaftliche Stärke, politischen Einfluss und historische Machtvorteile verweist. Mit fortschreitender Globalisierung, wachsender wirtschaftlicher Vielfalt und verschobenen Machtzentren verliert die dichotome Unterscheidung zunehmend an Erklärungskraft. In der Forschung wird betont, dass es sich nicht um statische Kategorien, sondern um veränderliche Konzepte handelt, die primär Ungleichheits- und Abhängigkeitsverhältnisse sichtbar machen sollen.Globaler Süden
Globaler Süden bezeichnet die Gegenkategorie zum Globalen Norden und bezeichnet ein vereinfachendes Konzept zur Einteilung von Staaten, das sich an sozioökonomischen und politischen Kriterien orientiert. Dazu werden in der Regel Länder Afrikas, Lateinamerikas, weite Teile Asiens sowie Ozeaniens (ohne Australien und Neuseeland) gezählt. Die Kategorie ist nicht geografisch, sondern geht auf historische Erfahrungen kolonialer Herrschaft und Abhängigkeit zurück und wurde aus der Kritik an älteren, stärker wertenden Begriffen wie „Dritte Welt“ oder „Entwicklungsländer“ formuliert. Das Nord-Süd-Schema ist umstritten, da es große innere Unterschiede innerhalb der jeweiligen Regionen überdeckt und die Vorstellung homogener „Blöcke“ nahelegt. Mit fortschreitender Globalisierung, wachsender wirtschaftlicher Vielfalt und verschobenen Machtzentren verliert die dichotome Unterscheidung zunehmend an Erklärungskraft. In der Forschung wird betont, dass es sich nicht um statische Kategorien, sondern um veränderliche Konzepte handelt, die primär Ungleichheits- und Abhängigkeitsverhältnisse sichtbar machen sollen.Herero
Herero bezeichnet eine ethnische Gruppe im südlichen Afrika, die wiederum aus mehreren Untergruppen besteht. Die Selbstbezeichnung OvaHerero (pl. OmuHerero) wurde seit dem 17. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Namibias von Sprecher:innen der Bantusprache Otjiherero genutzt. Rinderhaltung stellte die präkoloniale Lebensgrundlage der meisten Hererogruppen dar, weshalb die Landnutzung im Zentrum der Konflikte mit der Kolonialverwaltung Deutsch-Südwestafrikas ab 1884 war. Während des Deutsch-Namibischen Krieges (1904–1908) wurden Herero und Nama von der deutschen Kolonialmacht verfolgt, in Konzentrationslagern interniert und mussten Zwangsarbeit leisten. Dieses gezielte und systematische Vorgehen zum Zweck der Vernichtung der Herero wird heute als Genozid gewertet und gilt damit als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts.Hijab
Der Hijab ist ein Kopftuch oder ein Schleier, den muslimische Frauen tragen, um Haare, Hals und häufig auch die Brust zu bedecken. Der Begriff Hijab hat seinen Ursprung im arabischen Verb „ḥajaba” (verbergen, abdecken). Der Hijab gilt primär als Ausdruck von Bescheidenheit und religiöser Identität, kann darüber hinaus aber auch soziale, kulturelle oder politische Zugehörigkeit symbolisieren. In zahlreichen islamischen Gesellschaften war der Hijab historisch verbreitete Alltagskleidung für Frauen; koloniale Einflüsse und gesellschaftliche Umbrüche führten jedoch zu Veränderungen in seiner praktischen Anwendung und symbolischen Bedeutung. In einigen Ländern, wie dem Iran, ist das Bedecken der Haare gesetzlich vorgeschrieben. In einigen europäischen Ländern wird das Tragen des Kopftuchs rechtlich geregelt; in Österreich wurde von der Regierung ein Verbot für Mädchen unter 14 Jahren im September 2025 beschlossen. (Stand: 11/2025)Imperialismus
Imperialismus bezeichnet die Ausweitung politischer, wirtschaftlicher, militärischer oder kultureller Macht über die eigenen Staatsgrenzen hinaus. Dabei handelt es sich nicht um eine klar abgrenzbare Epoche, sondern um einen Prozess, der in unterschiedlichen historischen Kontexten verschiedene Erscheinungsformen annahm – von der direkten kolonialen Herrschaft bis zu subtileren Formen indirekter Kontrolle. Obwohl imperiale Strukturen bereits in früheren Jahrhunderten bestanden, wird das 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg in der Forschung häufig als eine zentrale Phase betrachtet, in der die europäischen Großmächte ihre koloniale Expansion und ihren globalen Einfluss intensivierten. Dabei wird zwischen „formellem Imperialismus“, verstanden als direkte Herrschaft und Verwaltung fremder Gebiete, und „informellem Imperialismus“ unterschieden, der auf wirtschaftlicher Dominanz, diplomatischem Druck oder kultureller Einflussnahme beruht. Neuere Ansätze betonen jedoch, dass imperiale Strukturen nicht auf diese historische Hochphase beschränkt sind, sondern bis in die Gegenwart fortwirken. Neben Staaten treten zunehmend auch multinationale Konzerne, Finanzinstitutionen und internationale Organisationen auf, die globalen Einfluss ausüben und Abhängigkeitsverhältnisse aufrechterhalten. Zur Beschreibung solcher modernen Formen weltweiter Dominanz und Ungleichheit wird in der aktuellen Debatte häufig der Begriff „Neoimperialismus“ verwendet.indigene Menschen
Indigene Menschen sind die Nachfahr:innen von Bevölkerungen, die ein Gebiet bereits bewohnten, bevor dieses durch Gruppen aus anderen Teilen der Welt erobert, unterworfen, kolonisiert oder in moderne Staatsgebilde integriert wurde. Es handelt sich um einen Sammelbegriff, der keine Selbstbezeichnung ist. Daher wird das „i“ in indigene Menschen im Gegensatz zum „S“ in Schwarze Menschen, das eine Selbstbezeichnung ist, klein geschrieben. Der Begriff „indigen“ ersetzt abwertende Begrifflichkeiten wieEingeborene:roder rassistische Fremdbezeichnungen, die implizieren, dass nicht-europäische Gesellschaften nach eurozentrischen Maßstäben „unterentwickelt“ oder „primitiv“ seien und somit Machtverhältnisse, denen Annahmen der Rassenideologie zugrunde liegen, reproduzieren. In internationalen Debatten orientiert sich die Verwendung von Gruppenbezeichnungen häufig an Definitionen der Vereinten Nationen, insbesondere an Studien und Berichten des United Nations Permanent Forum on Indigenous Issues (UNPFII). Wo immer möglich, sollten jedoch konkrete Eigenbezeichnungen der jeweiligen Gruppen verwendet werden, da diese die Selbstdefinition respektieren.Intersektionalität
Das Konzept der „Intersektionalität“ zeigt auf, wie scheinbar unterschiedliche Formen der Herrschaft, Unterdrückung oder Diskriminierung, wie race und gender, auf komplexe Weise miteinander verflochten sind, sodass es oft unmöglich ist, eine Dimension vollständig von einer anderen in der Erfahrung einer Person zu unterscheiden. Erste Ansätze finden sich bereits im feministischen Denken und Aktivismus Schwarzer Frauen und Women of Color; als Begriff wurde Intersektionalität jedoch von der Philosophin und Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Williams Crenshaw geprägt. Sie entwickelte ihn im Zusammenhang mit der Analyse des Versagens der US-amerikanischen Antidiskriminierungsgesetze beim Schutz Schwarzer Frauen. Crenshaws Analyse baut auf früheren Arbeiten von Women of Color auf, die argumentieren, dass Versuche, die Natur der rassistischen Unterdrückung ohne Bezugnahme auf das Geschlecht zu spezifizieren, dazu neigen, sich auf die Erfahrungen von Men of Color zu konzentrieren, während Versuche, die Natur der geschlechtsspezifischen Unterdrückung ohne Bezugnahme auf die Dimension von race zu spezifizieren, dazu neigen, sich auf die Erfahrungen weißer Frauen zu konzentrieren. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Intersektionalität zu einer „Methode und Haltung, einem heuristischen und analytischen Werkzeug“ entwickelt, das in vielen Disziplinen Anwendung findet. Das Konzept der Intersektionalität regt dazu an, Rassismus, Sexismus, Heterosexismus, Ableismus, Klassismus und andere Formen der Dominanz als miteinander verflochten und nicht als voneinander getrennt zu betrachten und macht auf die Grenzen einer isolierten Betrachtung aufmerksam.
Khedive
Khedive war zwischen 1867 und 1914 der erbliche Titel des amtierenden Gouverneurs bzw. Vizekönigs von Ägypten unter der nominellen Oberherrschaft des Osmanischen Reiches. Der aus dem Persischen stammende Begriff wurde ursprünglich als Ehrentitel für Sultane und Großwesire des Osmanischen Reiches verwendet. In Ägypten ersetzte der Titel Khedive seit der Regierungszeit Ismail Paschas (1863–1879) die zuvor gebräuchliche Bezeichnung Wali und sollte die besondere Autonomie sowie den Sonderstatus des Landes innerhalb des Osmanischen Reiches hervorheben. Zwei weitere Herrscher führten den Titel Khedive: Mohammed Tawfiq Pascha (1879–1892) und Abbas Hilmi II. (1892–1914). Obwohl der Titel erblich war, blieben die Khediven formal dem osmanischen Sultan verpflichtet. Nach der britischen Besetzung Ägyptens (ab 1882) war ihre tatsächliche Macht allerdings zunehmend eingeschränkt.koloniale Fotografie
Fotografien aus kolonialen Kontexten entstanden unter asymmetrischen Machtverhältnissen und zeigen Menschen, Orte oder Gegenstände nicht objektiv oder neutral, sondern schreiben diesen Eigenschaften und Bedeutungen zu, die der Perspektive der Kolonisator:innen entsprechen. Kolonisierte Menschen wurden oftmals zum Posieren vor der Kamera gezwungen, konnten selbst also nicht darüber entscheiden, ob oder wie sie dargestellt wurden. Die Fotografien dienten auch dazu, die vermeintliche Überlegenheit und „zivilisatorische Mission“ der Kolonisator:innen zu rechtfertigen. Aufnahmen extremer Notlagen – etwa Bilder von Hungersnöten oder von Menschen in (für ein westliches Verständnis) entwürdigenden Situationen – wurden gezielt eingesetzt, um die koloniale Herrschaft zu legitimieren und sie sogar als notwendig darzustellen. Kolonisator:innen nutzten Fotografie außerdem, um nicht-westliche Gesellschaften systematisch zu erfassen und rassistisch zu klassifizieren – legitimiert durch den Anspruch wissenschaftlicher Objektivität. Dies diente dazu, Wissen über die beherrschte Bevölkerung zu erlangen und damit Macht auszuüben. Menschen und ihre Lebensweisen wurden vor dem Hintergrund von westlicher Rassenideologie, als „anders“ gegenüber dem Westen bzw. Europa positioniert, gezielt inszeniert und – noch wichtiger – dadurch in ahistorische, unveränderliche Kategorien festgeschrieben. Diese Bilder prägten und verstärkten stereotype Vorstellungen von fremden Gesellschaften im Westen. Heute werden Fotografien aus kolonialen Kontexten hinsichtlich ihrer Entstehung und Verbreitung untersucht, um sie als Quellen für dekoloniale Neuinterpretationen heranzuziehen und die Handlungsräume kolonialisierter Menschen aufzuzeigen.koloniale Infrastruktur
Koloniale Infrastrukturen sind die materiellen und organisatorischen Strukturen, die während der Kolonialzeit geschaffen oder umgestaltet wurden, um die Kontrolle über kolonisierte Gebiete zu festigen und deren wirtschaftliche Ausbeutung zu ermöglichen. Ein intensiver Ausbau kolonialer Infrastrukturen fand in der Hochphase des europäischen Imperialismus im 19. und frühen 20. Jahrhundert statt. Für die Kolonialmächte dienten Infrastrukturen primär der wirtschaftlichen Ausbeutung, der politischen Kontrolle und der administrativen Durchdringung, etwa durch den Bau von Verkehrs- und Kommunikationsnetzen oder Eingriffe in die Stadtplanung oder in Gesundheits- und Bildungssysteme. Lokale Bevölkerungen nutzten koloniale Infrastrukturen jedoch auch für ihre eigenen Zwecke, etwa für Mobilität, Bildung, wirtschaftliche Aktivitäten oder antikolonialen Widerstand.koloniale(r) Kontext(e)
Der Begriff „koloniale Kontexte“ umfasst die Umstände und Folgen des Kolonialismus seit der europäischen Expansion im 15. Jahrhundert. Damit sind nicht nur formale Kolonialherrschaften gemeint, wie sie europäische Mächte in Asien, den Amerikas, Ozeanien oder Afrika errichteten, sondern auch kolonial geprägte Strukturen, Machtverhältnisse und Denkmuster, die bis in die Gegenwart fortwirken. Denn auch dann, wenn eine einstige Kolonie ihre staatliche Unabhängigkeit längst erreicht hat, können „koloniale Kontexte“ fortbestehen – zum Beispiel in Ausbeutungsverhältnissen, in der Wissensproduktion oder in der Marginalisierung von bestimmten Bevölkerungsgruppen.kolonialer Blick
Das Konzept des kolonialen Blickes bezeichnet kolonial-rassistische Blickstrukturen, die eng mit Prozessen des Othering verwoben sind. Gemeint sind Sichtweisen, Darstellungen und Praktiken durch die kolonisierte und rassifizierte Menschen als „kulturell Andere“ konstruiert werden. Die Vorstellung kultureller Überlegenheit prägte den kolonialen Blick und wurde über verschiedene Medien verbreitet: etwa Kolonialfotografien, Reiseliteratur und -berichte, Postkartenproduktion sowie durch Völkerschauen, Weltausstellungen und vergleichbare Formate. In veränderter Form wirken diese Deutungsmuster bis in die Gegenwart fort und prägen weiterhin Bilder, Narrative und Diskurse über nicht-westliche Gesellschaften.Kolonialismus
Kolonialismus bezeichnet ein komplexes und historisch vielschichtiges Herrschaftsverhältnis, bei dem eine Gesellschaft durch Expansion fremde Territorien besetzt, deren Bevölkerungen systematisch verdrängt, wirtschaftlich ausgebeutet und/oder politisch sowie kulturell unterdrückt werden. Diese Form der Fremdherrschaft basiert auf physischer, militärischer und ideologischer Gewalt und wird durch die kontinuierliche Androhung oder Ausübung von Zwang aufrechterhalten. Zentrale Bereiche der Landesverwaltung werden durch eine kulturell fremde Minderheit im Interesse der kolonialen Macht kontrolliert – legitimiert durch die Ideologie einer angenommenen kulturellen und biologischen Überlegenheit. Eine einheitliche Definition ist aufgrund der unterschiedlichen historischen Erscheinungsformen und globalen Dimensionen des Kolonialismus kaum möglich. Europäische Kolonialmächte kontrollierten zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert zeitweise über drei Viertel der Erde. Ein zeitgemäßes Verständnis von Kolonialismus reicht über die formale Herrschaft europäischer Mächte hinaus und umfasst eine weiter gefasste Betrachtung des Kolonialisierungsprozesses. Kolonialismus bezeichnet demnach ein vielschichtiges und langfristiges System, das gesellschaftliche, politische und ökonomische Strukturen schwächt und destabilisiert und dadurch die tiefgreifende Umgestaltung und Unterordnung ganzer Gesellschaften bewirkt. Er beruht zudem auf ideologischen und kulturellen Grundlagen sowie Wissensordnungen, die die europäische Herrschaftspraxis legitimieren und absichern.Kolonialität
Kolonialität bezeichnet das (Fort)Wirken kolonialer Strukturen und Praktiken nach der formalen Unabhängigkeit ehemaliger Kolonien. Das Konzept wurde vom peruanischen Soziologen Anibal Quijano (1930–2018) unter den Aspekten von coloniality of power (Kolonialität von Macht) und coloniality of knowledge (Kolonialität von Wissen) entwickelt, um das Erbe des europäischen Kolonialismus in heutigen Gesellschaften in Form von sozialer Diskriminierung und systemischer, eurozentrischer Wissensproduktion zu identifizieren und zu beschreiben. Andere Wissenschaftler:innen aus den Bereichen der Postcolonial Studies, Subaltern Studies und Schulen der Dekolonialität ergänzten das Konzept der Kolonialität um Dimensionen wie Geschlechterverhältnisse (Maria Lugones) und wandten es auf Kontexte außerhalb Lateinamerikas an (Arturo Escobar).Konzentrationslager (kolonialer Kontext)
In kolonialen Kontexten bezeichnet der Begriff „Konzentrationslager“ Internierungs- und Sammellager, in denen zivile Bevölkerungsgruppen, vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen, unter meist menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten wurden. Diese Lager dienten primär der Kontrolle, Unterdrückung und Disziplinierung der kolonisierten Bevölkerung und wurden als militärische und politische Herrschaftsinstrumente eingesetzt.
Zur Durchsetzung des Indian Removal Acts in den USA wurden ab 1838 indigene Menschen zwangsumgesiedelt und in Lagern festgehalten. Im kubanischen Unabhängigkeitskampf gegen Spanien (1868–1898) mussten sich Zivilist:innen in sog. campos de reconcentración aufhalten. Die britische Einführung von „concentration camps“ im Zweiten Burenkrieg (1899–1902) wird oft als prototypisches Beispiel für koloniale Konzentrationslager betrachtet, aus denen das nationale und internationale Verständnis dieses Lagersystems erwuchs. Im Deutschen Reich verwendete Reichskanzler Berhard von Bülow den Begriff „Konzentrationslager“ offiziell erstmals 1904 im Zusammenhang mit der Internierung gefangen genommener Herero. In Deutsch-Südwestafrika gab es neben Lagern der Kolonialadministration auch privat geführte Konzentrationslager von Firmen, darunter die Woermann Linie und die Otavi Minen und Eisenbahn Gesellschaft (OMEG). Im englischsprachigen Diskurs zu den Konzentrationslagern im kolonialen Namibia besteht die These einer Kontinuität zwischen diesen und des späteren nationalsozialistischen Gefangenenlagersystems während des Holocausts. Im deutschsprachigen Diskurs hingegen wird diese These nicht von allen Wissenschaftler:innen vertreten.kulturelle Aneignung
Als kulturelle Aneignung (engl. cultural appropriation) wird ein Prozess bezeichnet, bei dem Symbole, Artefakte, Rituale, Genres sowie spezifische Wissensformen oder Techniken einer Kultur von Mitgliedern einer anderen Kultur übernommen oder genutzt werden. Kulturelle Aneignung steht in einem engen Zusammenhang mit Kulturpolitik. Diese kann sowohl zur Assimilation und Ausbeutung marginalisierter und kolonialisierter Kulturen beitragen als auch Strategien des Überlebens und Widerstands gegenüber dominanten Kulturen ermöglichen. In Diskussionen um kulturelle Aneignung steht die Frage nach den Auswirkungen struktureller Macht- und Herrschaftsverhältnisse im Zentrum. Viele Menschen empfinden es als ungerecht, wenn kulturelle Ausdrucksformen zwar genutzt werden – oft auch zum wirtschaftlichen Vorteil nicht-rassifizierter Personen – den Herkunftsgemeinschaften jedoch Anerkennung und Teilhabe verwehrt bleiben. Prozesse der Aneignung lassen sich demnach aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten: Für die Aneignenden wirken sie oft wie legitimes Handeln, für andere hingegen stellen sie eine Verletzung von Rechten oder identitätsstiftenden kulturellen Ausdrucksformen dar.Landnahme (kolonialer Kontext)
Landnahme in kolonialen Kontexten bezeichnet die direkte oder indirekte Aneignung von Land durch koloniale Akteur:innen. Enteignungen – oft unter Missachtung oder Verletzung der bestehenden Landnutzungspraktiken und Eigentumsverhältnisse der lokalen Bevölkerungen –zählten zur häufigsten direkten Form der kolonialen Landnahme. Kaufverträge und ebenso sogenannte „Schutzverträge“ wurden zwischen kolonialen Akteur:innen und Vertreter:innen der lokalen Bevölkerungen abgeschlossen, ohne die Unterschiede zwischen europäischen Rechtsauffassungen und lokalen Konzepten von Besitz und Eigentum zu berücksichtigen. Der Zweck der Landnahme war die Inbesitznahme und wirtschaftliche Verwertung sowie in manchen Fällen die Besiedlung durch Europäer:innen (Siedler:innenkolonien). Als zentrales Werkzeug kolonialer Herrschaft wurde die Landnahme durch koloniale Akteur:innen zur Schwächung lokaler politischer Strukturen und Stärkung der eigenen Position genutzt. Außerdem wurde die Landnahme damit legitimiert, dass Kolonisator:innen mittels Technologien Land nicht nur nutzten, sondern kultivierten, während lokale Bevölkerungen es angeblich unberührt ließen und sein Potenzial nicht ausschöpften. Konflikte um Landnutzung und -besitz führten in vielen kolonialen Kontexten zu antikolonialem Widerstand.
Die Folgen der kolonialen Landnahme sind bis heute in Form von willkürlich gezogenen Grenzen postkolonialer Staaten, der Fortführung von Landkonflikten und ungleichem Zugang zu Ressourcen nachweisbar. Zusätzlich setzt sogenanntes „Landgrabbing” durch internationale Konzerne die kolonialen Muster fort und ermöglicht die Ausbeutung von Land, Menschen und Ressourcen, etwa durch extraktivistische Aktivitäten.Lessepssche Migration
Die Lessepssche Migration bezeichnet die Ausbreitung mariner Arten zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer über den Suezkanal, benannt nach dessen Erbauer Ferdinand de Lesseps. Hauptursache ist das Fehlen von Schleusen, wodurch physische Barrieren entfallen. Dieses Merkmal geht auf die technische Planung des Ingenieurs Alois Negrelli zurück. In den ersten Jahrzehnten nach der Eröffnung des Kanals (1869) war die Migration von Organismen zunächst durch den hohen Salzgehalt der Bitterseen als natürliche Barriere eingeschränkt, nahm aber mit der Angleichung der Salzkonzentration deutlich zu. Die Wanderung verläuft überwiegend vom Roten Meer ins Mittelmeer; eine Gegenwanderung ist selten. Die Klimaerwärmung verstärkt die Ansiedlung tropischer Arten und beeinflusst Biodiversität und ökologisches Gleichgewicht nachhaltig. Auch der intensive Schiffsverkehr durch den Kanal trägt dazu bei, die Migration von Organismen (etwa durch Ballastwasser oder als blinde Passagiere) zu verstärken. Es sind mittlerweile rund 1000 Arten als „Lessepssche Migranten“ im Mittelmeer erfasst; jährlich kommen etwa drei weitere hinzu. Genauere Angaben fehlen, da eine systematische meeresbiologische Erhebung vor dem Kanalbau nicht stattfand.Levante
Levante ist eine historische geografische Bezeichnung, die für die Länder am östlichen Mittelmeer verwendet wird. Die genaue Abgrenzung des Begriffs variiert: In einem weiten Verständnis umfasste die Levante den gesamten östlichen Mittelmeerraum einschließlich seiner Inseln und angrenzenden Küsten von Griechenland bis Ägypten. In einer engeren und heute gebräuchlicheren Definition bezeichnet die Levante die Staaten Syrien, Libanon, Israel, Jordanien, die palästinensischen Gebiete sowie die türkische Provinz Hatay. In der modernen Forschung gilt der Begriff Levante als eurozentrisch, weil er die Region primär aus einer europäischen Außenperspektive benennt und einordnet.M-Wort
Das M-Wort ist ein Ersatzbegriff für eine rassistische Bezeichnung Schwarzer Menschen. Der Ausdruck „
Mohr” geht auf das althochdeutsche mor zurück, das wiederum vom lateinischen Maurus („Maure“) abgeleitet ist und ursprünglich die Bewohner:innen Mauretaniens bezeichnete. Ab dem 16. Jahrhundert erhielt der Begriff im deutschsprachigen Raum zunehmend eine rassistische Konnotation und wurde beispielsweise zur Bezeichnung Schwarzer Menschen verwendet, die Bedienstete in weißen Haushalten waren. Im 19. Jahrhundert fand der Begriff verstärkt Eingang in kolonialrassistische Kontexte – etwa in Sprichwörtern und Liedern – und wurde um die Jahrhundertwende zunehmend auch in der Werbung für Kolonialwaren wie Kakao oder Kaffee eingesetzt. Der Ersatzbegriff M-Wort wird heute benutzt, um den rassistischen Begriff nicht zu reproduzieren.mapping (koloniale Bildpraxis)
Mapping bezeichnet eine Technik, durch die ein Territorium erfasst, geordnet und markiert wird. Durch beispielsweise die Beschriftung eines Bildes werden hierbei geografische Orientierungspunkte mit kolonialer Ideologie verknüpft – das Zusammenspiel von Bild und Text ist ausschlaggebend für die Realisierung, sprich durch das „Zeigen“ und „Benennen“ entsteht ein Wahrheitsanspruch. In kolonialen Kontexten diente mapping als Machtinstrument, das durch Benennen und Markieren von Orten Herrschaftsansprüche legitimierte. Geografische Karten, Fotografien und Postkarten aus kolonialen Kontexten weisen Aspekte des mappings auf, indem geografische Räume, Menschen und Objekte entsprechend kolonialen Wissensordnungen und Besitzansprüchen gezeigt und benannt werden.
Mission (kolonialer Kontext)
Mission ist die von christlichen Kirchen und später vor allem von Missionsgesellschaften getragene Ausbreitung des Christentums außerhalb Europas, die in enger Verbindung mit der europäischen Expansion stand. Im 18. und 19. Jahrhundert entstand im Zuge der Abolitionismusbewegung zur Abschaffung der Versklavung ein neuer Enthusiasmus für die christliche Mission. Vor allem Christ:innen aus Deutschland und Großbritannien wollten „Heiden“ nicht nur vor dem Gewaltakt der Versklavung, sondern auch vor dem vermeintlichen Schicksal des Heidentums bewahren. Die Missionierungsbestrebungen gingen zunächst noch von den Kirchen aus, doch vor allem idealistische Laien begründeten bald Missionsgesellschaften, die transnational aufgestellt waren. In Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien waren Missionar:innen zusammen mit Kaufleuten und Soldaten als Pionier:innen der europäischen kolonialen Expansion. Missionar:innen und Kirchen wurden alsbald Kompliz:innen des Kolonialismus. Sie traten paternalistisch gegenüber Missionierten auf und verstanden sich als zivilisierende Führung. Frauen wie Männer waren Teil dieser Missionsgesellschaften und teilten ein Gefühl kultureller und moralischer Überlegenheit. Über rein religiöse Lehrtätigkeit hinaus übernahmen Missionar:innen Aufgaben, die koloniale Strukturen stützten: Sie gründeten Schulen, Bibliotheken und Archive, kartierten Gebiete, verfassten ethnografische und linguistische Aufzeichnungen und sammelten Wissen, das in Europa über Berichte, Zeitschriften, Karten und Fotografien rezipiert wurde. So prägte die Missionsperspektive das westliche Wissen über Afrika, Asien und Ozeanien nachhaltig.N-Wort
Das N-Wort ist ein rassistischer Begriff, der Schwarze Menschen bezeichnet. Um den Begriff und damit verknüpften Vorstellungen nicht zu reproduzieren, wird er als „N-Wort“ geschrieben. Die Bezeichnung geht auf lateinisch niger, spanisch und portugiesisch negro sowie französisch négre zurück und wurde von spanischen und portugiesischen Sklav:innenhändlern benutzt, um pauschal Afrikaner:innen zu bezeichnen. Rassentheorien nahmen eine Trennung Afrikas in den weißen Norden und „Schwarzafrika“ vor, die mit einer ideologischen Wertung einherging: Afrika nördlich der Sahara wurde aus einer weißen Perspektive mit einem gewissen Maß an Kultur und Geschichte (etwa Ägypten als Hochkultur) besetzt, während Afrika südlich der Sahara als „dunkler, geschichtsloser und unzivilisierter“ Kontinent gedacht wurde. Ursprünglich bezieht sich das N-Wort auf die Hautfarbe von Menschen und stellt so Identität über Pigmentierung her. Dabei handelt es sich aber nicht um natürlich gegebene, biologische Kategorien, sondern um Manifestationen von weißer Macht. Dabei gilt weiß-sein als Norm. Das N-Wort wird von Schwarzen Theoretiker:innen als ein weißes Konzept betrachtet, welches versucht, Schwarze Menschen in einer kolonialen Ordnung festzuschreiben. Als Gegenbegriffe wurden verschiedene Bezeichnungen wie Schwarz (mit großem S), PoC oder BiPoC entwickelt, die alle nicht auf Hautfarbe basieren, sondern auf der geteilten Erfahrung rassistischer Diskriminierung.Naher Osten
Der „Nahe Osten“ ist eine eurozentrisch geprägte geografische Bezeichnung für Länder in Nordafrika und Westasien. Dazu zählen insbesondere die Staaten der arabischen Halbinsel (Kuwait, Bahrain, Oman, Katar, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Jemen), außerdem Ägypten, Iran, Irak, die Staaten der historischen Levante (Israel, palästinensische Gebiete, Jordanien, Libanon, Syrien) sowie Teile der Türkei. Der Begriff entstand im 19. Jahrhundert im Kontext europäischer Außenpolitik und bezeichnete damals vor allem die Gebiete des Osmanischen Reiches außerhalb Europas. Naher Osten ist daher ein eurozentrischer Begriff, der die Region in Relation zu Europa verortet. Ein alternativer Begriff ist die Bezeichnung WANA (Westasien und Nordafrika), die die Region geografisch präziser und neutraler beschreibt.Nama
Nama bezeichnet eine ethnische Gruppe im südlichen Afrika, die wiederum aus mehreren Untergruppen besteht. Während des Deutsch-Namibischen Krieges (1904–1908) wurden Herero und Nama von der deutschen Kolonialmacht verfolgt, in Konzentrationslagern interniert und mussten Zwangsarbeit leisten. Dieses systematische Vorgehen zum Zweck der Vernichtung der Herero und Nama wird als Genozid gewertet (siehe Genozid an den Herero und Nama) und gilt damit als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts.Niqab
Der Niqab ist ein Gesichtsschleier, der von muslimischen Frauen getragen wird und das gesamte Gesicht verhüllt, aber die Augen unbedeckt lässt. Häufig wird er zusammen mit der Abaya, einem langen Mantel, getragen. Der Niqab wird in erster Linie als Ausdruck religiöser Identität verstanden, kann jedoch – je nach gesellschaftlichem und kulturellem Kontext – auch andere Bedeutungen wie soziale Zugehörigkeit oder politische Positionierungen tragen. Das Tragen oder Nichttragen ist in verschiedenen Ländern rechtlich normiert, sodass neben persönlichen und kulturellen Motiven auch gesetzliche Rahmenbedingungen maßgeblich sein können.
Im Ägypten des 19. Jahrhunderts war die Praxis der Verschleierung vor allem in urbanen Zentren wie Kairo und Alexandria verbreitet: Frauen der wohlhabenden städtischen Schichten trugen den Gesichtsschleier in Kombination mit einem Ganzkörperumhang als gesellschaftliches Statusmerkmal, während Frauen aus ländlichen oder ärmeren Milieus häufiger einfache Kopftücher oder lose Gesichtsschleier nutzten, die stärker auf Alltagstauglichkeit – etwa bei landwirtschaftlicher Arbeit – ausgerichtet waren. Unter britischer Kolonialherrschaft wurde die Verschleierung von Frauen, insbesondere durch Lord Cromer, Generalkonsul in Ägypten von 1883 bis 1907, ideologisch als Ausdruck vermeintlicher „Rückständigkeit“ konstruiert und im Sinne einer „zivilisatorischen Mission“ zur Legitimation kolonialer Herrschaft instrumentalisiert.
Heute ist der Niqab vor allem in Saudi-Arabien verbreitet und wird darüber hinaus in Teilen der arabischen Halbinsel – etwa in Jemen sowie vereinzelt in einigen weiteren Golfstaaten – getragen. In Österreich ist das Tragen des Niqab im öffentlichen Raum seit 2017 durch das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz verboten (Stand: 11/2025).Orient
Der Begriff Orient ist eine aus westlicher Perspektive entstandene und kulturell konstruierte Bezeichnung. Es ist uneinheitlich, verallgemeinernd und bezieht sich auf eine geografisch nicht klar abgegrenzte Region.
Der Orient wird meist mit Vorder- und Mittelasien bzw. dem „Mittleren und Nahen Osten“ gleichgesetzt. Die Verwendung des Begriffes wird zunehmend kritisch reflektiert und in der Wissenschaft durch präzisere Terminologien ersetzt. Historisch unterliegt der Begriff Orient einem Wandel und wurde durch verschiedene Diskurse geprägt. Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert bezeichnete man mit Orient weite Teile Afrikas, Arabiens sowie Indien und China – also das dem europäischen „Abendland“ gegenüberliegende „Morgenland“. Im 19. Jahrhundert erhielt der Orient insbesondere in der europäischen Reiseliteratur eine neue Bedeutung. Geprägt von eurozentrischen Vorstellungen von Zivilisation dominierte darin die Kritik an der vermeintlichen „Rückständigkeit“ des Orients. Die Begriffsverengung im modernen Sprachgebrauch fokussiert zunehmend auf die künstlich geschaffene Einheit der „islamischen Welt“, insbesondere Vorderasien und Nordafrika (vgl. Levante). Michel Foucault beschreibt in „Wahnsinn und Gesellschaft“ den Orient als das, „was das Abendland selbst nicht ist“. Damit verweist er auf eine diskursive Konstruktion, die sich nicht auf eine geografisch klar definierte Region bezieht, sondern auf ein in westlichen Texten, Wissenschaften und politischen Praktiken entworfenes Gegenbild.Orientalismus (Postkoloniale Theorie)
Der Begriff Orientalismus wurde von Edward Said in seinem viel rezipierten postkolonialen Werk Orientalism (1978) geprägt. Er bezeichnet eine Form der Wissensproduktion, bei der der „Orient“ nicht als komplexe gesellschaftliche Realität erfasst, sondern als kulturelles und symbolisches Gegenbild zum „Okzident“ konstruiert wird. Said zeigt, dass diese Konstruktion auf binären Unterscheidungen beruht – etwa rational/irrational oder modern/traditionell – und so den Westen als überlegen positioniert, während der „Orient“ als kulturell „Anderes“ markiert wird. Eine Analyse des Orientalismus macht somit hegemoniale Strukturen sichtbar, die sowohl die Wissensproduktion über den „Orient“ als auch koloniale Herrschaftsformen Europas begründeten und legitimierten. Saids Buch wurde vielfach rezipiert, aber auch kritisch diskutiert. Ein wichtiges Beispiel ist die feministische Kritik, die darauf hinweist, dass geschlechtsspezifische Dimensionen in Saids Analyse weitgehend ausgeblendet bleiben. Autorinnen wie Lila Abu-Lughod und Meyda Yeğenoğlu zeigen, dass orientalistische Diskurse häufig auch durch Darstellungen „orientalischer Frauen“ geprägt wurden, die sowohl als Symbol kultureller Differenz als auch als Projektionsfläche westlicher Vorstellungen fungierten.
Othering
Als Othering wird ein Prozess bezeichnet, in dem Menschen oder Gruppen durch Stereotypisierung als „Andere“ konstruiert und von einem „Wir“ abgegrenzt werden. Dieser Vorgang ist eng mit Mechanismen der Ausgrenzung und Hierarchisierung verbunden. Der Begriff spielt eine zentrale Rolle in der postkolonialen Theorie, insbesondere im Anschluss an Edward Saids Analyse des „Orientalismus“ sowie Gayatri C. Spivaks Arbeiten zur Marginalisierung kolonialisierter Menschen.Ovambo
Ovambo bezeichnet eine ethnische Gruppe im südlichen Afrika, die wiederum aus mehreren Untergruppen besteht. Obwohl sich diese Gruppen stark in ihrer Sprache, sozialen Organisationsstruktur, ihrer Kleidung und Frisuren sowie kulturellen und politischen Praktiken unterschieden, betrachteten Europäer:innen sie bei den ersten Begegnungen im frühen 19. Jahrhundert trotzdem als eine homogene Gruppe – als „Ovambo“. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts suchten europäische Missionar:innen verstärkt Kontakt zu Gruppen in der Region Ovamboland (heute südliches Angola und nördliches Namibia), um diese zum Christentum zu bekehren. Viele christianisierte Ovambo betätigten sich als Wanderarbeiter:innen an kolonialen Bauprojekten, auch am Bau der kolonialen Eisenbahnen.