Künstliche Haar-Arbeiten.
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Auch giebt es eine eigene „Haar-stickerei", welche Landschaften und Bildnisse herstellt; desgleichen fertigt man eine Art „Haar-Mosaik" aus verschiedenfarbigen Haaren in halb erhabener Darstellung. — Diese Art Arbeit paßt ganz besonders für die flinken Frauenfinger, sei es, daß sie sich damit beschäftigen, um die Zeit zu vertreiben, oder ihren Unterhalt dadurch zu erwerben. Solche, welche mit dieser Art Arbeit vertraut sind, halten sie für eine sehr lohnende Beschäftigung.
Arbeiterinnen von besonderem Geschick und von Behendigkeit können sich in dieser Kunst wohl bis zu K 12 pr. Woche verdienen. Für besonders schöne Stücke werden oft hohe Preise, bis zu K 50 und darüber der Verfertigen» bezahlt. Diejenigen Mädchen, welche in Etablissements arbeiten, sind 9—10 Stunden des Tages beschäftigt, und es wird Alles mit der Hand verfertigt. — Aber man giebt auch solche Arbeit aus. — Im Durchschnitte verdienen solche Hausarbeiterinnen K 4 pr. Woche. Werden Haararbeiterinnen ausnahmsweise pr. Woche bezahlt, so beträgt ihr Lohn gewöhnlich K4—5, und zwar bei lOstündiger Tagesarbeit.
Personen, welche das nöthige Geschick zu dieser Art von Arbeiten haben, sich insbesondere aber eines guten Gesichtes und flinker Finger erfreuen, auch einigen Geschmack zeigen, können bei großem Fleiße und genügender Aufmerksamkeit das Nöthigste dieser Kunst Wenigstens in 3 Wochen erlernen. Diejenigen, welche als Lehrlinge in das Geschäft eintreten, erhalten während ihrer Lehrzeit, die 3—4 Wochen lange dauert, zwar nur 75 Cts. pr. Woche; sobald sie sich aber nur etwas brauchbarer erweisen, vermögen sie doch bald K 3 —4 wöchentlich zu verdienen. — In früherer Zeit mußte ein Mädchen volle zwei Jahre lange lernen und erhielt während dieser langen Lehrzeit keinen Lohn. Ja, manche Geschäfte hatten sogar drei Jahre zur Lehrzeit festgestellt. Aber die Schülerinnen verloren meistens die Geduld und wandten sich irgend einer anderen Beschäftigung zu. — Auch wird diese Arbeit jetzt nicht mehr in solche Geheimnißkrämcrei gehüllt und ist weniger unzugänglich, als wie ehedem.
Manche Haararbeiter und Haararbeiterinnen, welche sich damit befassen, ihre Kunst Anderen zu lehren, fordern einen halben Dollar für eine cinstündige Lektion. — Von einem Deutschen, welcher in seiner Kunst besonders geschickt war, erzählt die Verf., daß derselbe von solchen Schülern und Schülerinnen, welche schnell und oberflächlich lernen wollten, ein Lehrgeld von nicht weniger als K 25—50, — von solchen aber, welche diese Beschäftigung gründlich kennen zu lernen beabsichtigten, sogar K 100 forderte, in welch' letzterem Falle eine Lehrzeit von 6 Monaten bestimmt war.
Das einzige Mißliche bei dieser Art Beschäftigung ist das angestrengte Stillesitzen. Und wir beziehen hieher abermals das auf Seite 81 und 150 Gesagte«