Die Conditorei.
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waaren, liefert mehr, als alle Platze in der Union zusammengenommen, und verbreitet die Ergebnisse dieser Industrie nach allen Theilen der Ver. Staaten, Canada's, meistens auch nach den westindischen Inseln, Mexiko, Chile, und noch nach mehreren anderen Plätzen hin. Man hat erhoben, daß in New Jork jährlich Zuckerbäckereiwaaren von einer Mill. Dollars Werth gefertigt werden, worunter meistens Zuckerpräparate (auch Chocolade), Brustbeeren-Pasten u. s. w. zählen, ungerechnet manch' anderer Artikel, wie Gefrornes, Gelees, Pasteten und verschiedene andere Delikatessen, welche diese Summe gewiß verdoppeln würden. Um ein Beispiel von den Leistungen der New Jorker Conditoren zu geben, führen wir nur an, daß einer derselben vor einigen Jahren an die „I^cli68 Home lVÜ88ion" (eine von einem Frauenvereine gegründete Anstalt zur Aufnahme verwahrloster oder elternloser Kinder) zum sog. „Danksagungstage" (dem amerikanischen Erntefeste) einen Kuchen schenkte, welcher 10 Fuß lang, 22 Zoll breit und 16 Zoll dick war, und wozu er 1000 Eier, 175 Pfd. Mehl, 125 Pfd. Zucker und 80 Pfd. Butter genommen haben soll.
— Zwei der größeren New Norker Häuser fabriciren allein täglich 4000 Pfd. Zuckerkant zu verschiedenen Preisen, von 14—50 CtS. pr. Pfd., der Mittelpreis ist 20 Cts. — Gegen die importirte fremde Waare, welche gefärbt und im Allgemeinen prächtig ist, besteht, vielleicht nicht mit Unrecht, einiges Mißtrauen, daß hiezu schädliche Farbestoffe genommen seien, während das amerikanische Fabrikat weniger brillant aussieht, dafür aber auch nicht der Gesundheit nachteilig ist.
In Amerika kommt in der eigentlichen Fabrikation von Condi- toreiwaarcn die Frauenarbeit weniger in Verwendung, als in England, wo selbst, nebenbei gesagt, die Zuckerbäcker junge Frauenspersonen als Lehrlinge ihrer Kunst aufnehmen. — In Deutschland
— sagt die Vers. — besorgen die Frauen und Töchter der Zuckerbäcker selbst alle etwa im Geschäfte vorkommenden Nebenarbeiten, wie z. B. Vergolden, Bemalen, Verzieren u. dergl. — In manchen Verrichtungen der Conditorei und der Zuckcrfabrikation sollen sich aber doch Frauenspersonen vor den männlichen Arbeitern auszeichnen, so z. B. im Rollen und Backen von Lozenges. Sonst wird, in Amerika, im Allgemeinen das Bemalen des Zuckerkant von Männern besorgt (meist Franzosen und Deutschen), welche dabei K 10—12 wöchentlich verdienen; während, wo dies von Frauenspersonen geschieht, für dieselben nur ein Wochenlohn von S 4—5 abfällt. Vergolderinnen erhalten gar nur K2 pr. Woche. — Es bedarf, um im Bemalen des Zuckerkants etwas leisten zu können, allerdings eine geraume Zeit, Geschmack und Erfahrung hierin zu erlangen, und dabei ist doch immer wieder Neues und Neueres zu erlernen. Auch ist das Bemalen eine sehr klebrige und unsaubere Arbeit; und doch soll der Zuckerkant auf einer reinen Tafel mit reinen Händen fertig gemacht werden, weil er sonst durch schlechtes Aussehen nicht gut verkäuflich ist.