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Die Beschäftigung des weiblichen Geschlechts in der Hand-Arbeit oder praktische Nachweisung der Thätigkeit der Frauen im Haushalte, im Verkehr, in der Klein- und Groß-Industrie, in den verschiedenen Gewerben, selbstständigen Erwerbsarten, und den zunächst damit verbundenen Absatz-Geschäften / von A. Daul. Mit einem Vorwort von Max Wirth
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Die Conditorei.

Bei feinerem Zuckcrkant helfen Frauenspersonen auch wohl, müs­sen aber mit den Männern, welche das Bemalen besorgen, in einer und derselben Räumlichkeit arbeiten. Und da, wo sie in der Fabrikation direet betheiligt sind, verdienen sie wöchentlich nur K 1. 25 bis 8 4. 50, während Männer 8 4. 50 bis 8 9 Wochenlohn erhalten. Für Chocoladc--Cream zu machen, erhalten sie 8 3 Pr. Woche und für Extrastunden-Arbeit, besonders während der Weihnachtszeit, auch extra bezahlt.

Weitere mittelbare Verrichtungen in diesem Geschäfte, welche von Frauenspersonen besorgt werden, sind: das Einwickeln feiner Zuckerkantsorten in französische Couvcrts und das Zuschneiden des versilberten oder vergoldeten Papieres, womit dieselben verziert zu werden pflegen. Die Arbeiterinnen sitzen oder stehen Hiebei nach Be­lieben, und die Arbeitsdauer ist für sie 610 Stunden (während im Allgemeinen 10 Stunden oder von 7 Uhr Vorm. bis 6 Uhr Nackm. angenommen sind). Die Arbeiterinnen werden für diese Beihülfe oft pr. Jahr engagirt und erhalten dann einen entsprechenden Monats­gehalt.

Fernere, den Frauen zugewiesene Verrichtungen sind: Packen, Gummiren, Einwickeln in feines Papier, in Kisten füllen u. s. w. Hiebei erhalten die Arbeiterinnen die erste Zeit (23 Wochen lang) nur 8 1. 50, dann aber 8 3 4 pr. Woche; oder auch vom Anfange an (23 Monate lang) 8 2 und später 8 45 pr. Woche. In manchen Etablissements verdienen sie auch 8 6 pr. Mon. und vollstän­dige Kost und Logis (einschließlich Wäsche); in anderen Geschäften wieder 8 7 8 pr. Monat, blos nebst Verköstigung. Sie arbeiten 10 Stunden. Für Arbeit über diese Zeit hinaus erhalten die Ar­beiterinnen Extrabezahlung, und manche verdienen dadurch fast so viel als für ihre regelmäßige Arbeit. <>>

In Boston verdienen sie bei lOstündiger Tagesarbeit einen Wo- chenlohu von K 34, oder können es bei stückweiser Arbeit sogar bis auf 8 6 15 bringen.

Lehrlinge müssen etwas Geschmack und Erfindung mitbringen, welche sie beim Einwickeln des Zuckcrkant Gelegenheit haben zu be­thätigen. Gewöhnlich müssen sie eine Probewoche durchmachen. Be­stehen sie dieselbe gut und zeigen sie sich brauchbar, so erhalten sie auch Bezahlung, etwa 8 1. 50 bis 8 2. Den Theil der Arbeit welcher von den Mädchen gethan werden soll, braucht es nur kurze Zeit zum Erlernen. Ein intelligentes Mädchen wird in 2 bis 3 Monaten das Malen des Zuckerkants verstehen. Es bedarf für Frauen­zimmer ein Jahr und noch längere Zeit, um das Geschäft in seinem , ganzen Umfange nach kennen zu lernen. Für Männer ist eine Lehr­zeit von 35 Jahre festgestellt.

Die Chemikalien, welche in den Zuckerbäckerwaaren gebraucht werden, sind oft nicht gesund. Jedoch haben damit die Arbeiterinnen eigentlich weniger zu thun, außer mit Malen des Kant. Der Staub