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Zweite Reise nach dem Sudahn, Reise nach dem Sinai und Heimkehr
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Die Karawane sollte erst nach dem Aassr aufbrechen, um den Gohs" zu passircn, von dem ich mir keine rechte Vorstellung machen konnte. Es wurde mir erzählt, daß er sich von Kordofahn bis Berber el Mucheiref erstrecken sollte und daß die Kamele tief in den Sand versänken. Man schien dieser Wegstrecke mit einer ge­wissen Aengstlichkeit entgegenzugehen.

Vor Sonnenuntergang zog man weiter. Wir ritten, nachdem es dunkel geworden war, neben der Karawane dahin. Singend gin­gen die Treiber hinter ihren Thieren her; Einer sang vor, die Anderen fielen nach jeder Strophe mit dem Refrain ein:8vlwlllilii ei rs88ull1 seluigns!" Der Prophet ist meine Sehnsucht, meine Bruder! Wenn man die Mühseligkeiten einer Wüsten- rcisc kennt und wenn man bedenkt, daß der Treiber, welcher am frühen Morgen sein Kamel belud, den ganzen Tag in der glühen­den Hitze hinter seinem Thiere zu Fuße hergehen muß, ohne einen Bissen zu genießen und nur des Abends oder in der heißen Jah­reszeit des Mittags einige Nahrung zu sich nimmt, mit welcher in unserem Vaterlands die Schweine gefüttert werden würden, dann wundert man sich freilich, daß ein solcher Mensch noch fröhlich sein und singen kann. Unseren Kameltreibern waren die durch San­dalen nothdürftig geschützten Füße verbrannt (denn unsere Hunde konnten nicht auf dem glühenden Sande laufen, weil sie sich die Sohlen versengten, und mußten auf das Kamel genommen wer­den), der Schweiß rieselte ihnen während des Marsches in Strö­men von dem über und über mit Staub bedeckten Körper, bloß zu­weilen netzten sie die Zunge mit einigen Tropfen warmen, stin­kenden Schlauchwassers. Das war ihre einzige Nahrung während der ganzen Reise; es war dieselbe, welche den Kamelen, einge­kocht, gereicht wurde, und nie nahmen sie mehr als zwei Mahl­zeiten zu sich. Gewöhnlich aßen sie zu Mittag einmal und dann bis zum anderen Mittag Nichts wieder. Es ist ganz wahr, daß man in der fürchterlichen Hitze fast gar keinen Hunger, sondern nur Durst, Durst, Durst! verspürt; allein wie man die im höchsten Grade anstrengenden Fußreisen dieser Leute und ihre Ent­haltsamkeit zusammenreimen soll, ohne dieses Hungerleiden und jene